Sonntag, 5. Juli 2015

Unser #WiB - Die perfekte (Hitze)Welle



Wieder ist eine Woche vorbei und das Wochenende liegt auch schon hinter uns. Morgen beginnt wieder der alltägliche Wahnsinn ;-) Zeit für den obligatorischen Wochenrückblick in Bildern. Wir hatten (wie ganz Deutschland auch) ein heißes Wochenende. Wie andere dieses Wochenende erlebt haben, könnt ihr wie jede Woche auf Susannes Blog "Geborgen Wachsen" nachlesen.

Samstag


Nachdem wir gefrühstückt hatten, der Rasen gemäht und das Planschbecken mit Wasser befüllt war, ging es los zum Wochenendeinkauf.




Hier gabs an der Fleischtheke das allererste Wiener Würstchen für den Kleinen Ajan. Und mit seinen 6 Zähnchen und viel Herumgelutsche schaffte er es tatsächlich sie fast komplett zu essen.
Doch das war nicht sein einziger "Meilenstein" des Tages. Vor dem Einkauf hatte er im Garten auf der Wiese gestanden. Freihändig! Für etwa 4 Sekunden. Es klappt immer besser. Und nein, er wird da nicht noch rechts am Arm heimlich festgehalten. ;-)



Wir waren genau rechtzeitig wieder vom Einkauf zurück, denn schon auf dem Rückweg war es wirklich sehr heiß. Aber um halb 12 konnte man es noch einigermaßen aushalten. Um ehrlich zu sein, es war genau meine Temperatur - ich alte Frostbeule :-D Die Kinder hatten es schön schattig im Fahrradanhänger. Ich hatte einen alten Bettbezug als Sonnenschutz umfunktioniert.
Nach einem leckeren Mittagessen mit so richtigen Oldstyle-Cheeseburgern von einem kleinen Stand vor dem Supermarkt, war ein wenig Siesta angesagt. Für das Fleischbärchen blieb es allerdings nicht bei der "Höhle". Letztendlich musste sie dann doch in ihr richtiges Bett, weil sie unten im Wohnzimmer nur herumalberte und Blödsinn anstellte, während ihr Bruder bereits schlummerte. ;-)



Zum Kaffee gab es Kekse und Cupcakes - leider nur gekaufte, aber sie schmeckten trotzdem. Und zum Backofen anschmeißen war es heute definitiv zu warm. 25 Grad Raumtemperatur waren schon vollkommen ausreichend.




Den Nachmittag verbrachten wir komplett draußen am und im Planschbecken...


... bis schließlich die ersten Wolken aufzogen.




Schnell noch mal die tollen Rosen am Rosenbogen fotografieren, bevor vielleicht alles verregnet oder verhagelt wird. Dafür, dass ich die Kletterrose "Ginger Syllabub" erst letztes Jahr gepflanzt habe, hat sie sich wirklich toll entwickelt.




Auf Fleischbärchens Rutsche saß ein großer Käfer, den wir eine Weile beobachteten - und er uns vermutlich auch. :-D





Da einige Rosen nun in voller Blüte standen und einige der Blüten einen Regenschauer sowieso nicht überstanden hätten, gab's noch schnell einen Blumenstrauß für unseren Esstisch.




Unterdessen zogen immer bedrohlicher wirkende Wolkenformationen auf. Während wir Abendbrot aßen, blitzte und donnerte es direkt über unseren Köpfen, allerdings ganz hoch oben in den Wolkentürmen.




Und dann kam er, der Regen. Es rauschte schon ganz schön ordentlich, aber zum Glück blieb der Hagel aus. Die Windböen waren immerhin so stark, dass wir über Twitter mitbekamen, dass die Hamburger S-Bahn auf Grund von umgestürzten Bäumen teilweise nicht mehr fahren konnte. Sogar der Schienenersatzverkehr konnte nicht aufgenommen werden, weil auf den entsprechenden Straßen ebenfalls umgestürzte Bäume lagen.





Nachdem die Kinder im Bett waren, machten der Papa Pelz und ich es uns noch mit einem Glas Weißwein gemütlich. Vorm Computer. So langsam können wir unseren Fernseher verkaufen ;-)




Unterdessen wurde draußen alles in ein ganz bizarres gelb-violettes Licht getaucht. Eine wirklich sehr seltsame Abendstimmung war das - aber schööön! Und die Luft war herrlich frisch. Es hatte sich immerhin schon auf 23 Grad abgekühlt. Vor uns stand eine tropische Nacht mit Tiefsttemperaturen über 20 Grad. Uff.



Sonntag


Heute Morgen wurden wir von einem Waschküchenwetter wie im Lehrbuch begrüßt. Auch die Nacht über hatten wir nicht gerade gut geschlafen. Es war nicht die Wärme, sondern diese furchtbar hohe Luftfeuchtigkeit.



 Nach dem Frühstück, wurde ein wenig gemalt. Raus gehen wollte keiner von uns.



Und die Prognose sah gar nicht gut aus. Rechts seht ihr den "Ist-Zustand" um 11:17 Uhr, links die Prognose für den Tag.


Der Papa Pelz griff vor lauter Müdigkeit zur Mate :-D




Nachdem der Kleine Ajan seinen Mittagsbrei gegessen hatte und schlief... ♥♥♥




... kochte ich für das Fleischbärchen ein paar Nudeln und machte für den Papa Pelz und mich einen großen Pizzateller voll Caprese. Yummy!




Zum Nachtisch zauberte der Herr des Hauses eine Latte Macchiato. Dazu braucht es (bei uns) nur heiße Milch, Espressopulver, einen billigen Milchaufschäumer (oder sogar bloß einen Schneebesen) und eine Bialetti.




Da wie bereits erwähnt heftige Gewitter mit möglicherweise sogar Orkanböen angesagt waren, packte ich am Nachmittag alles, was nicht niet- und nagelfest im Garten war, in unser Gartenhaus.




Und nachdem der Papa Pelz mit den Kindern im Fahrradwagen (als Buggy umgebaut) im gerade begonnen Regen von einem kleinen Spaziergang wiederkam, gab es Eis - heute mal im Eiscafé Mama ;-)




Das Fleischbärchen hatte keinen Mittagsschlaf gemacht und den ganzen Tag über war die Stimmung sowieso schon angespannt gewesen. (Ich glaube, es lag einfach am Wetter!?) So langsam, aber sicher drohte die Stimmung zu kippen. Das Fleischbärchen und ich machten einen Spaziergang ins Naturschutzgebiet hinter unserem Grundstück. Auf dem Rückweg erwischte uns beide dann auch glatt schon wieder der nächste Schauer, allerdings hatten wir dieses Mal noch Glück, und wir wurden kaum nass.


Zum Abendbrot gab es Stulle mit Brot und Tomaten. Auch wenn diese Bild eigentlich ziemlich langweilig ist, ich finde, so eine Wurststulle hat es auch mal verdient, hier dabei zu sein. ;-)




Und nach dem üblichen Abendtheater des Fleischbärchens :..-( , legte auch der Kleine Ajan dann noch mal los. Allerdings stellte ich bald fest, dass er leichtes Fieber hatte! Nun ist unsere Große gerade wieder einigermaßen gesund, da fängt der Kleine Ajan. Ich will und mag nicht mehr. Aber Jammern hilft ja nix. Um Viertel vor 9 schlief dann auch das Nesthäkchen endlich.




Zum Tagesfinale und während ich die Fotos für diesen WiB-Eintrag bearbeitete, gab es dann noch erfrischende Wassermelone - genau das Richtige nach diesem irgendwie doch ziemlich anstrengenden Tag.



Wie habt ihr die Hitze überstanden und euch abgekühlt?

Liebe Grüße,


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Samstag, 4. Juli 2015

#Urlaub - Tag 2 - Borger und Spielplatz


Ich brauche dringend Urlaub - und zwar hier im Blog. Denn ich schulde euch noch ein paar Urlaubsberichte. Und da es auch für mich schön ist, immer mal wieder auf unseren Urlaub zurückzublicken und in Erinnerungen zu schwelgen, bekommt ihr jetzt endlich mal die nächsten Tage und Wochen ab und an so einen Blogpost aufs Auge gedrückt. Wenn der Urlaub "vorbei ist", dann müsst ihr euch eben wieder den ersten Urlaubstag anschauen und mit dem Lesen von vorn beginnen. ;-)



 
Unser erster richtiger Urlaubstag - an Tag 1 waren wir ja fast nur auf Achse gewesen - begann mit einem gemeinsamen Müslifrühstück und dem Aufbruch nach Borger, dem Nachbarort von Ees, in dem sich unser Ferienpark befand. Da wir als Selbstversorger nur das Nötigste an Lebensmitteln von Zuhause mitgenommen hatten (z.B. unser Lieblingsmüsli), mussten wir dringend etwas einkaufen. Und so sprangen wir fröhlich in einen neuen Tag - nun ja, zumindest das Fleischbärchen. ;-) Direkt vor unserer Haustür war nämlich ein Baumstumpf, von dem man toll Hüpfen üben konnte, was unsere Maus gerade mal vor etwa 2 Monaten gelernt hat.




Das Wetter war leider nicht so toll, aber wir hatten Kleidung für jedes Wetter dabei, und so war auch das bisschen Regen kein Problem. Mit dem Kleinen Ajan in der Trage und dem Fleischbärchen im Kinderwagen, ging es zunächst durch den "Ortskern" von Ees.





Nach etwa 20 Minuten Fußweg entlang einer mäßig befahrenen Landstraße erreichten wir Borger, nach weiteren 10 Minuten, den Ortskern.




Bereits nach diesem kurzen Spaziergang merkte ich, dass ich mich in den typischen Drenther Baustil verliebt hatte. Etwas, dass ebenfalls mein Herz höher schlagen ließ, waren die vielen, super gepflegten Gemüsegärtchen. Der Papa Pelz und ich stellten fest: Die Provinz Drenthe scheint so etwas wie das hobbit'sche Auenland der Niederlande zu sein, nur, dass die Hügel fehlen und die Leute nicht so klein sind und keine Haare auf den Füßen haben. ;-) Aber die Liebe zum Gärtnern ist allgegenwärtig. Sehr beeindruckend sind auch die tipptopp geschnittenen Hecken, bevorzugt Buchsbaum oder niedrig gehaltene Hainbuchen, die fast überall die Gärten und Vorgärten einrahmen.


Als wir in Borger ankamen, hatten wir doppelt Glück. Der Regen ließ nach und es war Markttag. Mein Mann und ich liiieben Märkte. Ich hatte euch ja auch schon mal über unseren eigenen Wochenmarkt geführt. Märkte in anderen Länder sind aber natürlich um so spannender, weil man hier wirklich Land und Leute kennenlernt. Und da Borger v.a. zu dieser Jahreszeit nicht von Touristen überlaufen ist, trifft man fast nur auf Einheimische, die hier ihren ganz normalen Einkauf erledigen. Die Preise sind hier übrigens (so wie bei uns früher auch) deutlich günstiger, als im Supermarkt.
Was bei unserem Einkauf nicht fehlen durfte, war natürlich echter holländischer Käse. :-) Außerdem besorgten wir dort Äpfel, Erdbeeren, etwas Gemüse, Kartoffeln, frische Bratwürste, die es am Tag drauf zum Mittagessen geben sollte und Brot.


Für die übrigen Kleinigkeiten gingen wir dann nochmal in den wirklich sagenhaft gut sortierten Supermarkt. Wie schon erwähnt, sind die Preise hier höher, als auf dem Markt und auch ein wenig höher, als bei uns in Deutschland, aber es ist nicht so, dass man extra alles aus Deutschland mitbringen müsste. Auch, wenn die Regale wirklich beeindruckend aussahen, ein bisschen fragte ich mich schon, ob das alles gekauft und gegessen wird, oder ob davon nicht ein Großteil unverkauft in der Mülltonne landet. :-(



Auf dem Rückweg war dann noch mal Pferde gucken angesagt.


 Und zwar gleich zwei Mal! ;-)


In unserem "neuen Zuhause" angekommen, packten wir erst mal in Ruhe die Einkäufe aus. Da war es wirklich super praktisch, dass wir ein Laufgitter für den Kleinen Ajan dazu gemietet hatten. Mittlerweile hatte sich auch die Sonne hinter den Wolken hervor gewagt. Da das Fleischbärchen allerdings hundemüde war, ging sie erst mal eine Mittagsrunde ins Bett. Auch der Kleine Ajan machte einen kurzen Powernap. Er hatte allerdings auch schon zuvor in der Trage geschlummert.


Anschließend ging es durch den Park, vorbei an vielen weiteren reetgedeckten Ferienhäusern. Unser Ziel: der große Abenteuerspielplatz. Unser Nachbarhaus hatte übrigens den Garten schön. ;-) Ich liebe Farne! Und nach dem morgendlichen Regen duftete es herrlich nach Wald.



Wir kamen nicht weit, ohne den ersten Zwischenstopp einzulegen. Direkt an der nächsten Wegkreuzung befand sich nämlich bereits eine kleiner Spielplatz. Nachdem alle Spielgeräte mindestens einmal ausprobiert worden waren (und mit viel Überredungskunst) konnten wir dann doch weitergehen. Auf dem Gelände befinden sich überall verteilt kleinere Spielplätze, bevorzugt in der unmittelbaren Nähe von speziell für Kinder ausgestatteten Ferienhäusern - sehr praktisch, weil man die Kids auch einfach mal auf raus schicken kann, während man die Spülmaschine ein uns ausräumt, und sie trotzdem in Sichtweite sind. Diese Häuser waren, als wir buchten, jedoch leider alle schon reserviert. Aber andererseits hatten wir so auch sicherlich eine ruhigere Lage erwischt. Unser Haus befand sich nämlich ganz am Parkrand. Hinter unserem Haus war der Zaun, dahinter ein öffentlich, praktisch gar nicht befahrener Radwanderweg und dahinter Wald, Wald, Wald...



Und dann waren endlich auf dem Spielplatz es war großartig. Die Sonne lachte mittlerweile von einem azurblauen Himmel, und das Fleischbärchen tobte sich auf dem Airtrampolin aus.

Auch der Kleine Ajan kam auf seine Kosten. Er durfte in einer der Babyschaukeln Platz nehmen und staunte nicht schlecht. Auch der Matschspielplatz war super. Leider nichts für unser Dreck verabscheuendes Fleischbärchen :-D Sie schaukelte, rutschte oder wippte lieber auf einem großen Auto.

Zum Tagesabschluss gingen wir noch im direkt neben dem Spielplatz gelegenen Schnellrestaurant des Parks essen. Hier gab es "die üblichen Verdächtigen" wie Burger und Pommes, aber auch typisch holländische Fastfood-Spezialitäten wie z.B. Frikandel, eine Art Frikadelle in Krokettenform, von der Struktur aber eher feiner, so wie eine Bratwurst. Ganz landestypisch wird das Ganze dann in der "Special"-Variante: mit Majo, Gewürzketchup und Zwiebeln. "Zeeeer lekker!"




Auf dem Rückweg winkte uns dann noch das Maskottchen des Parks zur guten Nacht: Bartje.
Notiz für den nächsten Urlaubstag: Fleischbärchens Mittagsschlaf fällt aus. #ausgründen ;-)

Bis zum nächsten Urlaubseintrag! Oder wie man auf Niederländisch sagt: Tot ziens! ;-)


Liebe Grüße,






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Mittwoch, 1. Juli 2015

Emotionskarussell - Wenn die (Mutter)Gefühle sich im Kreis drehen



Ich hätte euch sehr gerne mal wieder leichte Kost geboten, z.B. einen Beitrag über das, was ich Mittwochs mag. Das habe ich gestern leider verpasst. Oder aber den nächsten Bericht über einen weiteren Urlaubstag. Doch dieser Blogpost ist längst überfällig. Gestern Morgen gab es den berühmten Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte und mich zum Schreiben veranlasste. Der Tropfen war eine Träne, denn der Abschied in der Kita war einer von der Sorte, nach dem ich am liebsten mein Kind wieder mitgenommen hätte. Sie wollte partout nicht in ihre Gruppe, sondern bei mir bleiben. Ich fühlte mich, wie die rabigste aller Rabenmütter, als mein Kind "Maaaamaaaa, Maaaamaaa!" auf dem Arm der Erzieherin flehte und die Tür sich schloss.

Seit fast 8 Monaten geht unser Fleischbärchen nun in die Kita. Der Anfang war sehr schwer - für uns alle. Die ersten Wochen, ja sogar Monate, war ich oft der Verzweiflung nahe und fragte mich ständig, ob mein doch so sensibles Kind überhaupt "der Typ" dafür sei, oder nicht zu Hause besser aufgehoben wäre. Hinzu kam, dass einen Monat zuvor ihr kleiner Bruder auf die Welt kam. Eigentlich sollte einige Tage vor dem errechneten Geburtstermin die Eingewöhnung beginnen. Wir entschlossen uns, noch einen Monat zu warten, damit sie Zeit mit uns und ihrem neuen Brüderchen verbringen konnte und nicht der Eindruck entstand, dass sie jetzt abschoben oder gar ersetzt würde. Ideal war das trotzdem nicht. Ich hätte sie gerne schon ein paar Monate früher "eingewöhnt", denn dann wäre ich nicht in der Wochenbettzeit gewesen und der zeitliche Zusammenhang zur Geburt ihres Bruders wäre überhaupt nicht da gewesen.

Vor dem Holland-Urlaub vorletzte Woche war Monate lang alles "O.K.". Zwar wollte sie morgens regelmäßig immer noch nicht in die Kita, sondern lieber zuhause bleiben, aber wenn wir dann einmal da waren und der Papa oder ich ihr die Jacke ausgezogen und die Schuhe gewechselt hatten, rannte sie immer schon selbst los, fiel ihren Erzieherinnen um den Hals, kam dann noch mal zurück um uns zum Abschied zu umarmen, um sich dann direkt dem Spiel mit den anderen Kindern zu widmen.
Doch nun ist sie wieder einmal da, dieselbe Situation wie ganz zu Anfang. Und stellt sich mir zum wiederholten, x-ten Mal die Frage: Ist es richtig und gut, dass sie in die Kita geht?

Warum ich sie in dieser harten Anfangszeit nicht sofort wieder aus der Kita nahm, wenn mich diese Gefühle plagten? Ganz einfach, weil ich auch nur ein Mensch bin, mich von den Ratschlägen anderer beeinflussen lasse und manchmal einfach nicht weiß, was ich tun soll und was richtig oder falsch ist. Und auch, wenn die Blogparade von Alu schon lange vorbei ist, dies scheint gerade meine ganz persönliche "Geschichte vom Scheitern" zu sein.


In der Zwickmühle


Ich war hin- und hergerissen und bin es immer noch. Ich hörte viele, viele Meinungen dazu - gefragt und ungefragt.

Für eine gute Freundin und Nachbarin, die selbst vier Kinder hat, wäre die Sache klar gewesen: "Entweder weniger Stunden in der Kita, oder ganz heraus nehmen." Sie ist der Meinung, dass Kinder bis zum Kindergarten zu ihren Müttern/Vätern gehören, solange nicht die finanzielle Existenz der Familie bedroht ist. Letzteres wäre bei uns ja nicht der Fall, da ich sowieso noch nicht wieder arbeiten gehen, sondern in Elternzeit und damit zu Hause bin.

Dann ist da noch die Familienseite meines Mannes und der Papa Pelz selbst. Er kommt aus den neuen Bundesländern, in denen auch heutzutage der Besuch einer Krippe bei den meisten Familien etwas ganz Normales ist, denn schließlich sollen Kinder auch soziale Kontakte knüpfen und lernen, wie man sich in eine Gruppe integriert.
Mein Mann sieht das ebenfalls vergleichsweise gelassen. Es macht ihn zwar auch nachdenklich, was der Grund für ihr Verhalten sein könnte, aber er ist dennoch überzeugt, dass es richtig ist, dass sie in die Kita geht.

Wen ich explizit um Rat fragte, waren die Erzieherinnen in Fleischbärchens Gruppe. Sie meinten, dass es ganz normal sei, dass sich Kinder anfangs schwer von ihren Eltern trennen können, ich mir aber keine Sorgen machen solle. Das würde sich von selbst geben und würde den Kindern auch nicht schaden. Ich bin mit unserer Kita, der Kommunikation mit den Eltern, der Atmosphäre dort und den wirklich sehr herzlichen, liebevollen Erzieherinnen im Großen und Ganzen sehr zufrieden. Doch diese stecken ja quasi mit in der Situation und eine Kita ist auch immer ein Unternehmen, dass sich wirtschaftlich tragen muss. Inwieweit kann ich der Richtigkeit dieser Aussage also vertrauen? Gibt es überhaupt ein richtig oder falsch?

Irgendwo dazwischen stehe ich also, und ich weiß einfach nicht, wie ich entscheiden soll. Wenn es nach dem Papa Pelz geht, soll sie bleiben, allein schon, damit ich tagsüber mit dem Kleinen Ajan entlastet bin. Und dann denke ich mir wieder: Aber andere schaffen es doch auch! Was sind schon zwei Kinder? Andere haben drei oder vier und manche sind dabei sogar noch voll beruftstätig.
Ist eine Herzensentscheidung immer die Richtige? Muss man nicht auch mal Dinge tun, die im Moment vielleicht unbequem, aber langfristig für alle Beteiligten besser sind?


Der Faktencheck


Manchmal helfen ja Pro- und Contra-Listen. Was sind also die positiven Seiten daran, dem Fleischbärchen die Kita zu ermöglichen:

Pro Kita:

  • "Soziale Kontakte" - Sie hat schon früh einen Freundeskreis mit Gleichaltrigen und außerdem zusätzliche Bezugspersonen und ein soziales Umfeld außerhalb der Familie. Ich habe mal gelesen, dass Kindern, die schon von klein auf nicht nur eine einzige sondern mehrere enge Bezugspersonen haben, sich auch später im Leben leichter zurechtfinden. (Ob das stimmt, sei nun mal dahingestellt.)
  • "Pädagogisch wertvolle Beschäftigung" - Eine Kita bietet ganz andere Möglichkeiten. Zuhause ist auch einfach mal "nichts los", weil ich mich um den Haushalt oder den Kleinen Ajan kümmern muss. Das muss ja auch gar nicht sein, aber Fakt ist, in der Kita wird es nie langweilig.
  • "Der Kitaplatz ist uns sicher." - In unserem Ort war und ist es ganz und gar nicht einfach, einen Betreuungsplatz zu bekommen. Zwar haben wir viele Kitas, aber es gibt ebene auch viele Kinder. Tendenz: täglich steigend. In unserer Wunschkita war schon trotz Anmeldung 2 Tage nach der Geburt des Fleischbärchens kein Platz ab dem 2. Geburtstag zu bekommen - also zwei Jahre nach der Anmeldung! Wir mussten ausweichen. Nun geht sie in eine Kita, die ganz auf der anderen Seite des Ortes liegt. Würden wir den Platz aufgeben, und würde ich nach der Elternzeit wieder arbeiten gehen, so ginge die Suche und das Betteln erneut los. Und nicht nur das, auch der Kleine Ajan müsste ja irgendwo untergebracht werden. Bleibt sie in der Kita, bekommt ihr kleiner Bruder hingegen dort bevorzugt einen Platz. Angemeldet ist er jedenfalls schon für März 2016, wenn er 18 Monate alt ist.
  • "Zeit für die ganz normalen Erledigungen des Alltags" - Ein Haus und ein großer Garten pflegen sich nicht von alleine. Und wenn die Große da ist, wird das Ausräumen der Spülmaschine schon zur Geduldsprobe, weil sie natürlich helfen will, dies aber bei vielem allein schon auf Grund ihrer überschaubaren Bauhöhe nicht geht. Und manchmal gehen mir dann auch einfach die Ideen aus, wie ich sie in die Hausarbeit mit einbeziehen kann. Manchmal muss es auch einfach schnell gehen.
  • "Zeit für mich selbst und das Bloggen" - Zur Zeit bin ich ehrlich gesagt heilfroh, wenn die Kinder abends endlich im Bett sind. Die Große steckt voll in der Autonomiephase und macht auch sonst entwicklungstechnisch einiges durch, wie zum Beispiel das Trocken werden, über das ich vorgestern erst bloggte. Und dann kommt hinzu, dass sie schon von klein auf ihren Unmut in einer unglaublichen Lautstärke und mit einer Vehemenz zum Ausdruck bringt, dass bald die Gläser im Küchenschrank zerspringen. Besonders das Ins-Bett-Bringen ist, seit sie dem Osterhasen ihre Schnuller überlassen hat, ein Horror, und zwar für alle Familienmitglieder. Jeden Abend versuche ich erneut, gelassen und mit viel Einfühlungsvermögen an die Sache heranzugehen, weil ich weiß, dass es nichts bringt, sich darüber aufzuregen, wenn sie nicht schlafen will. Aber jedes Mal schafft sie es nach spätestens einer Stunde, dass aus der Goodmom dann doch noch die Badmom wird, die vor lauter Verzweiflung und als letzten Ausweg nun nur noch den Griff in die Konsequenzen-Kiste sieht. Eigentlich will ich gar nicht so erziehen. Ich wäre gerne die Mama, die sich in ihre Kinder hinein versetzt und zu verstehen versucht, was sie freut, wütend oder traurig macht und darauf dann entsprechend reagiert. Ja, ich weiß, da winkt die Perfektionismusfalle. Ich bin mir im Klaren, dass das nicht immer geht. Aber an solchen Abenden ist es besonders frustrierend, aufgeben zu müssen, weil man einfach keine Kraft mehr hat. Hättet ihr mich vor 2 Monaten gefragt, ob unsere "Familienplanung" abgeschlossen ist, ich hätte diese Frage klar verneint. Nun würde ich dafür zwar auch noch nicht meine Hand ins Feuer legen, aber zur Zeit würde ich nicht mal auch nur daran denken, ein weiteres Kind zu bekommen.
  • "Zeit und Ruhe für den Kleinen Ajan" - Letzterer kommt an den Wochenenden, wenn die Große zuhause ist, oft sehr kurz. Zum Glück ist er ein wirklich pflegeleichtes, fröhliches Baby, das leicht zufrieden zu stellen ist und sich auch schon mit seinen gerade mal 9 Monaten viel durch Entdeckungstouren durchs Wohnzimmer alleine beschäftigen kann. Das ist toll und wichtig, und mir ist auch klar, dass seine Erziehung nicht mehr annähernd so fokussiert ablaufen kann, wie die des ersten Kindes. Andererseits möchte ich ihm aber trotzdem auch ein Stück der ungeteilten Aufmerksamkeit schenken, die seine Schwester genossen hat. Als der kleine Bruder noch nicht da war, konnte sie sich übrigens ebenfalls problemlos bis zu eine Stunde alleine beschäftigen. ;-)


Kommen wir nun zur anderen Seite:

Contra Kita:

  • "Ein Kind gehört in den ersten Lebensjahren zur Mutter/zum Vater" - Dies ist das Argument, dass am schwerwiegendsten an meinem Gewissen nagt. Dass meine Tochter sehr sensibel ist und extrem feine Antennen für das hat, was um sie herum passiert oder sich verändert, habe ich ja bereits erzählt. Zudem habe ich gerade jetzt wieder das Gefühl, dass sie mich wieder häufiger braucht, weil sie einfach so viel Neues lernt und sie das sicherlich auch verunsichert. Wenn sie zuhause ist, klammert sie sehr. Papa ist zur Zeit out.
  • "Überfordere ich mein Kind?" - In einer Kita ist es relativ laut, und unsere Maus hasst laute Geräusche. Sie hat regelrecht Panik davor. Monatelang wollte sie von ihrem neuen Bobbycar nichts wissen, weil sie Angst vor der Hupe hatte. Sie empfand sie schlichtweg als laut und hielt sich schreiend und weinend die Ohren zu. Wie muss das dann erst in einer Kita sein? Zum Glück sind in ihrer Krippengruppe nur insg. 10 Kinder, aber auch die können sicherlich schon einen gehörigen Lärm machen.
  • "Die Kosten" - Ein Krippenplatz kostet viel, viel Geld, besonders in Niedersachsen. Bei uns kommen pro Monat für ein Kind inkl. Essensgeld über 400 Euro 450 Euro zusammen. (Nachträglich korrigiert am 03.07.15. Hab noch mal nachgeschaut. ;-))
  • "Ich gehe nicht arbeiten, wozu dann eine Betreuung?" - Andere schaffen das auch ohne. Wir hatten Thema das schon. Viel mehr ist dazu ja auch eigentlich nicht zu sagen. ;-)
  • "Mittagsschlaf - ja oder nein?" - Wir sind gerade an dem Punkt angelangt, wo wir überlegen, den Mittagsschlaf an den Wochenenden ausfallen zu lassen. Im Urlaub haben wir nämlich festgestellt, dass das zwar schwierig ist, aber es klappt. Da sie abends dann richtig müde ist, entfällt allerdings erfreulicherweise das Theater. Nun sollte sie aber noch ein weiteres Jahr in der Krippengruppe bleiben, weil die Erzieherinnen der Ansicht waren, dass sie noch nicht bereits ist, in die Elementargruppe zu wechseln. Würde sie hingegen doch im September in die große Gruppe wechseln, wäre die Übergangszeit sicher erst mal sehr hart. Deutlich mehr Kinder und dann auch noch kein Mittagsschlaf. Schließlich ist das Wachbleiben im Urlaub mit Mama und Papa immer noch war anderes als im Kindergartenalltag. Wäre sie zuhause, hätte sich dieses Problem erledigt. Sie würde einfach wach bleiben und abends früher ins Bett gehen.
  • "Personalwechsel in der Kita" - Eine Situation, die für uns gefühlt die Karten völlig neu gemischt hat, ist die Kündigung einer ihrer beiden Erzieherinnen. Das Fleischbärchen mag beide wirklich sehr gern, aber geht nun die eine weg (sie hat eine Stelle in Dubai ergattert, die ich ihr auch von Herzen gönne), muss sie sich erst einmal wieder an eine neue Person gewöhnen, um dann ein Jahr drauf noch einmal einen Wechsel in eine völlig andere Umgebung mit komplett neuen Erziehern durchzumachen. Wir hatten jetzt erst letzte Woche die Situation, dass besagte Erzieherin im Urlaub war. Eine Praktikantin half stattdessen aus, und unsere Maus hatte furchtbare Angst vor ihr. Sogar, wenn der Papa sie morgens zur Kita brachte, gab es viele Tränen.

"Hast du Luxusprobleme, oder was?"


Ganz ehrlich? Wenn man es so sehen will, ja, die habe ich wohl!
Manchmal wünschte ich, ich müsste einfach arbeiten gehen. Dann würde sich diese Frage nach "Soll das Kind in die Kita oder nicht" überhaupt nicht stellen. Dann wäre das einfach so und fertig. Und nebenbei gäbe es für die Arbeit, die ich mache, auch noch eine monetäre Anerkennung, denn auch, wenn dieses Vorurteil in unserer heutigen Zeit immer noch sehr verbreitet ist, ich sitze nicht nur den ganze Tag zuhause oder im Café und trinke Latte Macchiato.


Natürlich würde die Arbeitswelt da draußen auch wieder andere, teils sogar größere Probleme mit sich bringen (#Vereinbarkeit ist ja grad in aller Munde bzw. Blogs). Aber ich müsste mir nicht vorwerfen lassen, dass Kind unnötig abzuschieben. Es wäre nicht meine freie Entscheidung, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Andererseits war für mich immer klar, dass ich mindestens das erste Jahr nach der Geburt auf jeden Fall zuhause bleiben werden, und genau in diesem Jahr befinde ich mich auch noch.

Ich habe lange gezögert, überhaupt über dieses Thema zu schreiben, weil ich auch ein wenig Angst vor den negativen Reaktionen habe. "Die Frau sollte sich mal andere Lebenssituationen ansehen. Die, mit ihrer tollen kleinen Familie, ihrem schönen Haus und Garten, hat einfach nicht das Recht so zu jammern!" Aber es belastet mich zur Zeit einfach so sehr, dass ich oft den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehe. Es hängen eben auch so viele Faktoren damit zusammen bzw. davon ab.

Als Mutter (und Vater) trifft man tagtäglich so unglaublich viele, oft auch nur unwichtige Entscheidungen, aber man ist ständig gefragt und gefordert. Es gibt keinen Urlaub. Nie! Selbst wenn die Kinder schlafen, bist du immer auf Abruf. Selbst, wenn du mit einer Freundin abends ins Kino gehst und der Papa sich zuhause kümmert (und er kümmert sich wirklich sehr und hilft, wo er nur kann!), so kann es immer vorkommen, dass du doch noch mitten im Film nach Hause musste, weil eines der Kinder sich z.B. nicht beruhigen lässt und ausschließlich nach Mama verlangt. Zur Zeit haben wir wieder solch eine ganz intensive Phase. Wie gerne würde ich einfach nur mal wieder jemanden um Rat fragen und ein Rezept befolgen. Für Kinder gibt es keine Rezepte, und genau das lastet auf meinen Schultern wie ein tonnenschwerer Felsbrocken. Noch kann ich ihn stemmen, aber wenn ich nicht aufpasse, breche ich irgendwann unter der Last zusammen.

Und nun? Lösungsansätze - oder zumindest ein Versuch

Ich sage es gleich, ich weiß nicht, auf welche Klippe wir da zusteuern, oder ob wir bald wieder aus dem Nebel herausfinden. Ich habe nur eine dumpfe Ahnung. Müsste ich ganz impulsiv nur nach meinem Gefühl entscheiden und würde ich alle Bedenken über die Zukunft außer Acht lassen, ich würde sie direkt abmelden.
Einen Versuch, auf den ich es jetzt erst einmal ankommen lassen will, ist eine Reduzierung der Betreuungsstunden. Finanziell wird uns das nebenbei bemerkt gar nichts bringen. Derzeit hole ich sie erst nachmittags nach dem Snack ab, wenn der Kleine Ajan seinen Mittagsschlaf gemacht hat. Selbst wenn ich sie schon Mittags abholen würde, müssten wir immer noch den Höchstbetrag zahlen. Die emotionale Situation mal gedanklich beiseite geschoben: finanziell ist das schon irgendwie ein bisschen gemein. Und dann ist da auch noch die Hin- und Rückfahrt. Insgesamt kommen da pro Tag mit An- und Ausziehen und der reinen Fahrzeit zusammengerechnet über eine Stunde heraus. Würde ich sie also jeden Tag nach dem Mittagessen abholen, wäre alles stressiger, als wenn sie gleich zuhause bleiben würde. Auf jeden Fall habe ich mir jetzt vorgenommen, sie zumindest an 2 Tage in der Woche schon vor dem Mittagsschlaf abzuholen. Ja, dafür muss ich definitiv meine Prioritäten anders setzen. Da ist definitiv noch viel Spiel, denn ich gestehe, Zeitmanagement ist nicht meine große Stärke. Ein wöchentlicher Haushaltsplan wäre z.B. ein Anfang.
Außerdem werden wir noch einmal das Gespräch mit den Erzieherinnen suchen. Kommende Woche Donnerstag haben wir bereits einen Termin. Mal sehen, wie sich die Geschichte dann entwickeln wird. Gescheitert ist sie für mich zwar schon, aber ich habe ich die Hoffnung auf ein Happy End - wie immer das auch aussehen mag - trotz allem noch nicht aufgegeben.

Liebe Grüße,



Nachtrag: Mittlerweile hat auch der Papa Pelz aufgeschrieben, was er darüber fühlt und denkt.
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Trocken werden 2 .0



Das ist es also, dieses irrsinnig schnelle Großwerden, von dem so viele reden. Natürlich denke ich mir das jetzt mit einer 2 1/2-jährigen Tochter und einem 9 1/2 Monate alten Sohn nicht zum ersten Mal, denn Kinder lernen jeden Tag etwas Neues, oft unbemerkt und nebenbei. Aber es gibt ein paar Meilensteine, die ich bisher als "große Schritte" empfunden habe. Das erste Lächeln, die erste Fortbewegung, selbst Stehen, Laufen, Sprechen uvm.. Und nun ist das Fleischbärchen im nächsten Level angekommen: Trocken werden.

Am 7. Juni ging es los. Zwar hatte sie zuvor auch schon mal ein oder zwei Tröpfchen im Töpfchen gelassen, weil sie durchaus Interesse daran hatte, sich einfach mal auf dieses Ding zu setzen, aber das war wohl mehr Zufall gewesen. An diesem Wochenende schien es aber tatsächlich *klick* gemacht zu haben, v.a. im Kopf, denn sie wusste nun, dass sie die Entleerung ihrer Blase willentlich steuern konnte. Ein ganz großer Schritt, nein, eigentlich DER Schritt, um überhaupt erfolgreich trocken zu werden. Ihr merkt schon, ich halte nichts von militärisch anmutendem Töpfchentraining zu festgelegten Zeiten. Wovon ich jedoch viel halte, ist, dem Kind die Entscheidung zu überlassen, es aber dabei ohne Druck, behutsam zu begleiten. Eine echte Gratwanderung - wie so oft im Elterndasein! An diesem Sonntag klappte das Wasserlassen auf dem Töpfchen sage und schreibe 3 Mal! Wir ließen tags drauf zum ersten mal die Windel weg.

Verpennt


Dann kam der Kita-Alltag und ich konnte das Kind jeden Tag in Wechselklamotten abholen. Ich fragte nach, was denn los gewesen sei, denn ich hatte es so empfunden, dass sie eigentlich voll dazu in der Lage war, rechtzeitig Bescheid zu geben. Als sie am Montag wieder zu Hause war, klappte es auch gleich prompt. Es stellte sich heraus, dass es wohl im Kita-Trubel und durch Missverständnisse zwischen den Erzieherinnen beim Wechsel der Vormittags- und Nachmittagsgruppen schlichtweg verpennt wurde, sie rechtzeitig zur Toilette zu begleiten bzw. beim Spiel auch mal ab und zu zu fragen, ob sie muss. Ich gebe zu, dass mich das richtig ärgerte. Wäre das einmal passiert: ok, kommt vor. Aber mehrmals!?

Da will ein Kind unbedingt auf den Topf, bloß keine Windel mehr tragen und "groß" sein, und dann wird das in so einer sensiblen Phase vergessen - und dann bei einem Kind, dass in der Hinsicht sowieso schon extrem sensibel ist, was in der Kita auch bekannt war. Bekommt unsere Maus nicht die nötige Ruhe, hält sie auch den Stuhl manchmal tagelang ein. Ich war jedenfalls ziemlich sauer, denn die Folgen ließen nicht lange auf sich warten: schon ab Mittwoch weigerte sie sich plötzlich vehement auf das Töpfchen zu gehen, und sie wollte wieder ein Windel. Diese bekam sie natürlich auch, aber was bitte war da schief gelaufen?
Dieses Verhalten, eine regelrechte Angst vor dem Töpfchen, kam definitiv nicht von ihr, denn zuvor hatte sie richtig Spaß daran gehabt. Für sie war das ein lustiges Spiel. Teilweise wollte sie sogar selbst nach ein paar Minuten noch einmal auf den Topf, dann natürlich ohne größeren, sichtbaren Erfolg, aber wir ließen sie machen, denn nur so konnte sie ja lernen, dass man nicht alle 5 Minuten "mal muss". Und auch bei zwei Tröpfchen gilt schließlich: Was weg ist, ist weg. ;-)


Home sweet Home


Zum Glück kam dann das Wochenende, und am Montag sollte es auch für eine Woche in den Urlaub gehen. Schon am Wochenende schaffte sie es doch noch das ein oder andere Mal wieder in das Töpfchen zu machen. Am Sonntag klappte es wieder richtig gut. Ich war erleichtert. Andererseits, ein wenig mulmig war es mir angesichts der langen Zugfahrt nach Holland mit vielen Malen Umsteigen schon. Doch ich hatte mein Kind unterschätzt. Wir hatten das Töpfchen griffbereit mit dabei und sie sagte jedes Mal rechtzeitig Bescheid, sodass wir mit ihr auf die Toilette gehen konnten. Nachts war eine Windel zwar noch von Nöten, was ich aber auch vollkommen ok fand. Aber auch wenn wir unterwegs waren, meldete sie sich jedes Mal mit noch reichlich Zeit um eine öffentliche Toilette, ein Kunden-WC oder sonst eine ruhige Ecke zu suchen.

Eine sehr beeindruckende Situation hatten wir dann einen Tag, nachdem wir wieder zuhause angekommen waren, während sie in der Badewanne saß. Sie bat, ja flehte plötzlich fast schon, auf das Töpfchen gehen zu dürfen. Ich holte sie aus dem Wasser, und es klappte auf Anhieb. Das zeigte mir um so mehr, dass sie mittlerweile die Körperbeherrschung hat, denn dem Toilettendrang nicht nachzugeben, wenn das warme Wasser um einen herum plätschert, verlangt selbst einem Erwachsenen noch das ein oder andere Mal volle Konzentration ab. ;-)


"Ich kann nicht, wenn jemand guckt!"


Ein leider schon relativ "etabliertes" Problem ist bei ihr der Stuhlgang. (Ich habe das Thema schon mal kurz erwähnt.) Ja, hier geht es jetzt um Kot, Kacka, Stinker, A-a oder wie auch immer ihr es nennt oder verniedlicht. Wer auf diesem Gebiet also zimperlich ist, sollte besser nicht weiterlesen und auch generell mein Blog meiden. ;-)

Schon als Säugling litt sie, mit Einführung der ersten Beikost, öfter an Verstopfung, obwohl wir immer (auch jetzt noch) darauf achte(te)n, ihr Stopfende Nahrung zu vermeiden und bevorzugt stuhlauflockernde Sachen und viel Wasser zu trinken anzubieten.
Das Problem erreichte teilweise solche Ausmaße, dass sie, die sowieso schon anfangs ein Schreibaby war, nun wieder aus Leibeskräften vor Bauchschmerzen schrie. Hinzu kam, dass sie Monate lang wegen einer Hüftdysplasie eine sogenannte Pavlikbandage tragen musste, die sie so fesselte, dass sie nicht in der Lage war, richtig zu strampeln. Dadurch verkrampfte sie sich natürlich und konnte und sich ihrer Last erst recht nicht entledigen. Ortswechsel oder Unruhe sind Faktoren, die das Ganze noch begünstigen. Doch wir beherzigten alle Tipps der Kinderärztin und irgendwie ging es dann doch - nicht toll, aber es funktionierte hinreichend.

Womit ich nicht gerechnet hatte, was mir nun aber doch sehr logisch erscheint, ist der Faktor "Schließmuskelkontrolle". Seit sie weiß, dass sie Urin einhalten kann, ist es ihr vermutlich auch noch viel bewusster geworden, dass das mit Kot ebenfalls geht. Außerdem ist da ja auch schon die Sache, dass sie nun tagsüber keine Windel mehr trägt. Sie kann sich also nicht einfach mal irgendwo unauffällig verkriechen und ihr Geschäft verrichten, um danach nach einer sauberen Windel zu verlangen. Sich auf ein Töpfchen zu setzen und dort "einen Teil von sich selbst" loszulassen, ist noch mal ein sehr großer Schritt auf in der psychischen Entwicklung eines Kindes, das hatte ich auch von der Erzieherinnen in ihrer Kita erfahren.


Teufelskreis


Da der Stuhl durch die Verstopfung natürlich auch sehr fest und das Kaliber groß ist, führte dies dazu, dass man sich schnell durch die Stuhlentleerung kleine Risse am After zuzieht, sogenannte Fissuren, die sehr schmerzhaft sein können. Diese schreckliche Situation, besonders für ein Kleinkind - führt dann erneut zum Stuhl einhalten, um die Schmerzen zu vermeiden. In Wirklichkeit ist es aber ja nur ein Herauszögern, und mit jedem Mal verschlimmert sich die Angelegenheit.

Ich weiß dies leider aus eigener Erfahrung sehr gut, denn ich selbst hatte als schon deutlich älteres Kind ebenfalls massive Probleme damit. Ein Kinderarztbesuch brachte damals allerdings rein gar nichts, außer, dass mir ein, zwei Mal ein Einlauf verpasst werden musste und ich (für mich damals) einfach nur absolut widerlich schmeckenden Dörrpflaumensaft trinken und ekliges Schwarzbrot essen musste. Das wollte ich meinem Kind in dem Alter ersparen. Allerdings wusste ich auch, dass die Situation nun schnellst möglich entschärft werden musste. Im Urlaub war es schließlich so schlimm, dass sie gerade mal noch alle 3-4 Tage Stuhlgang hatte, dabei aber immer etwas einbehielt. So stand für mich fest: nach dem Urlaub muss ich mit ihr deswegen beim Kinderarzt vorstellig werden.

Letzte Woche Donnerstag, wir hatten sie schon direkt nach dem Mittagessen aus der Kita abgeholt, weil mein Mann noch Urlaub hatte, verbrachten wir den Nachmittag auf der Terrasse. Und wie das so ist, man muss dann natürlich auch mal. Also stellte ich das Töpfchen einfach raus und sagte ihr, sie könne gehen, wann immer sie wolle. Hose und Schlüpfer bekommt sie schon alleine heruntergezogen, nur beim Anziehen muss man ihr noch ein wenig helfen. Gesagt, getan. Doch fünf Minuten später tänzelte sie wieder mit gequältem Gesichtsausdruck herum. Auch wenn sie meinte, sie müsse noch einmal "Pipi", so war mir sofort klar: "Die muss mal Groß!" Ich erklärte ihr das ganz ruhig und sagte lapidar, sie könne ja selbst auf das Töpfchen gehen, wenn sie muss. Es stünde ja dort auf der Terrasse. Und dann landete da doch tatsächlich ein Häufchen im Töpfchen! Auch am nächsten Morgen schaffte sie es noch zwei Mal, ihr großes Geschäft ins Töpfchen zu machen. Allerdings habe ich die Vermutung, dass sie da auf Grund ihres fiebrigen Infekts (was immer das auch war, ich weiß es nicht!) leichten Durchfall hatte, der die Sache erheblich vereinfachte und v.a. beschleunigte.

Da sie gestern dann den 4. Tag in Folge fieberte, fuhr ich mit ihr zum Arzt. Ich nutzte gleich die Gelegenheit um bezüglich ihres Kot-Einhaltens um Rat zu fragen. Ja, ich gestehe, ich hatte zuvor auch schon gegoogelt. Aber dieses Mal hatte das Internet sogar Recht und es lief auf das hinaus, was ich schon geahnt hatte. Unsere Tochter wird nun über einen längeren Zeitraum (Wochen, Monate, halbes Jahr oder sogar länger...) ein Abführmittel bekommen, dass den Stuhl mit Wasser anreichert und dadurch auflockert. Die Konsistenz wird weicher, das Kaliber kleiner und der Stuhlgang auf dieses Weise deutlich erleichtert. Es ist also kein Abführmittel im klassischen Sinne, dass die Darmtätigkeit anregt und so die Darmwände reizen oder gar schädigen kann. Da sich die mittlerweile schon ins Gedächtnis eingebrannten, schlechten Erfahrungen jedoch nicht mit wenigen Malen erfolgreichen Stuhlabsonderns in den Griff bekommen lassen, bedarf es einer längeren Phase der Deeskalation und einem schleichenden Absetzen des Mittels. Ich werde euch auf dem Laufenden halten, wie diese Therapie nun anschlagen wird.


Wie eine Große


Zum Schluss möchte ich euch aber noch etwas wirklich Tolles erzählen. Nachdem ich heute mit einem seit gestern Abend glücklicherweise wieder fieberfreien Fleischbärchen (und natürlich auch dem Kleinen Ajan) erneut zum Kinderarzt fahren musste, weil ich gestern die Krankenkassenkarte vergessen hatte, nutzte ich meine Bahnfahrkarte aus und fuhr noch schnell zwei Stationen weiter zu einem Einkaufszentrum, um dort diverse Alltagsartikel einzukaufen, die ich bei uns im Ort nicht bekomme. Was ich heute allerdings zuhause vergessen hatte, war das Töpfchen! Mist, was nun? Es gibt zwei Möglichkeiten: entweder wieder in die Windeln pullern lassen (was ich ihr aber nicht zumuten wollte und was sie vermutlich auch gar nicht oder nur unter lautem Protest gemacht hätte) oder mit ihr auf die Erwachsenentoilette gehen.
Im Drogerieladen trat dann der Fall der Fälle ein: sie musste mal. Ich ging mit ihr also zur Kundentoilette. Dort gab es sogar einen Kindersitz fürs WC, den sie zuhause bisher allerdings strikt verweigert hatte. Was soll ich sagen... Es klappte so, als hätte sie nie woanders ihr kleines Geschäft verrichtet. Großartig! Ich war so happy, ich hätte glatt aus der Toilette heraustanzen können - konnte mich dann aber doch noch zusammenreißen. ;-P

Da es doch schon Mittag geworden war und der Kleine Ajan in der Trage unruhig wurde, beschloss ich, nicht gleich nach Hause zu fahren, sondern erst noch mit den Kinder etwas Essen zu gehen, damit ich auch den Kleinen Ajan irgendwo hinsetzen und füttern konnte. Das Fleischbärchen brauchte wie immer ziemlich lange zum Essen und so verging wieder einige Zeit. Der Kleine Ajan war nun schon im Buggy eingeschlafen, in den ich ihn umgelagert hatte, und das Fleischbärchen musste mal wieder. Nun war die Drogerie aber nicht mehr einfach so um die Ecke. Wir suchten die Toilette des Einkaufszentrums und wurden fündig. Hier gab es natürlich keinen Kinder-WC-Sitz. Also desinfizierte ich zunächst gründlich den Kloschüsselrand und hielt sie mit dem Popo über die Schüssel, während sie halb auf dem Rand saß. Und auch da dauerte es nur wenige Sekunden, und das Bächlein plätscherte. Ja, ich würde sagen, in Sachen Wasser lassen sind "die Dämme gebrochen". ;-P Leute, watt bin ich stolz! Nun hoffe ich inständig, dass sie bald auch das große Geschäft erfolgreich und schmerzfrei verrichten kann. Und da ist es mir auch ehrlich gesagt noch völlig Schnuppe, ob in den Topf, die Toilette oder eine Windel. Hauptsache, mein Armes Kind muss nicht mehr so leiden. :-(

Falls ihr ähnliche Probleme mit dem Trockenwerden oder dem "Sich erleichtern" bei euren Kindern habt, hinterlasst mir gerne einen Kommentar. Das ist ein Thema, was auch keinen Fall aus falscher Scham verschwiegen werden darf. Und wenn sie mal müssen, aber nicht können oder wollen, weil es ihnen weh tut, dann helft bitte euren Kindern so schnell wie möglich! Es gibt heutzutage einfache und gut wirksame Möglichkeiten, das Problem in den Griff zu bekommen. Kein Kind muss lange leiden!

Liebe Grüße, 



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