Es ist Sonntag Abend, und schon wieder ist eine Woche vorbei. Mit ihr geht auch ein wunderschönes, laaanges Wochenende über Christi Himmelfahrt zuende. Bereits am Donnerstag bekamen wir Besuch von Freunden. Deren zwei Jungs sind altermäßig genau zwischen bzw. über Fleischbaerchen und KleinerAjan. Das passte also prima und die Kinder konnten viel miteinander spielen.
Donnerstag:
Kleiner Ajan zieht sich seit 2 Tagen überall hoch, bisher aber nur auf die Knie.
Das Käsekuchenmassaker: Nicht schön, da mir leider die Alufolie ausgegangen war, mit der ich die letzten Minuten der Backzeit immer den Kuchen abdecke, damit er nicht so dunkel wird. Aber er schmeckte trotzdem ;-)
Nach einem Mittagessen vom Grill und Mittagsschlaf für die 3 Jüngsten mussten dann gleich die Mitbringsel-Stifte ausprobiert werden. Der Große malte, das Fleischbaerchen sah und staunte.
Freitag:
Am Vormittag wurde wieder ausgiebig gemalt und Duplo gebaut. Dabei entstand auch dieses tolle Motorboot. Die Schaufel hinten ist übrigens der Turbo-Antrieb ;-)
Mittags blieb die Küche zuhause kalt und wir gingen alle zusammen ins örtliche Familienrestaurant. Der Kleine Ajan fand es großartig, dass hier so viel Neues zu begucken war.
Vom Alsterwasser hätte er gerne probiert. Er durfte dann aber mit stillem Wasser Vorlieb nehmen. Menno... Mama und Papa sind solche Spielverderber ;-)
Am Nachmittag machten wir uns spontan auf, um von Finkenwerder aus die Elbe mit der Fähre hinauf zu schippern. Mein Mann blieb allerdings mit dem völlig übermüdeten Fleischbaerchen zuhause, damit sie einen Mittagsschlaf machen konnte.
Das Wetter war einfach nur ein Traum. Kaum Wind und viiiel Sonne. Da schmeckte das Eis in der Hafencity gleich doppelt so gut und es kam fast ein bisschen mediterranes Flair auf ;-)
Samstag:
Da das Wetter leider nicht mehr so toll war, gehörte der Vormittag wieder ganz dem Legospielen, Vorlesen und Malen.
Am Nachmittag war auch noch ein wenig Shoppen im Lagerverkauf eines bekannten Outdoorbekleidungsherstellers angesagt. Spät abends, als sie schon eine Weile geschlafen hatte, bekam das tagsüber bereits schniefende und hustende Fleischbärchen schließlich 39,3°C Fieber. Kein Wunder, dass sie bereits am Freitag so schlapp war und wir ohne sie Fähre fahren mussten. Armes Mäuschen, ihr ging es echt schlecht. Gut, dass es heutzutage für den Fall der Fälle Linderung gibt.
Sonntag:
Heute nach dem Frühstück hieß es dann Abschied nehmen vom Besuch.
Aber eine ausgiebige Vorleserunde tröstete darüber schnell hinweg.
Zum Tagesabschluss wurde eine neue "Transportphase" der Kinder eingeläutet. Da der Kleine Ajan sich nun selbst hinsetzen kann (Juhuuuuu!), darf er auch endlich in den Fahrradanhänger, und ich muss ihn nicht mehr jeden Tag in der Babytrage schleppen, wenn ich die Große zur Kita bringe. Die Testfahrt unternahm mein Mann, während ich in Ruhe an meinem Blogpost basteln konnte: ein kleiner Spaziergang durch das Wohngebiet zum ersten Mal mit beiden Kindern zusammen im Fahrradanhänger. Das Fleischbaerchen fand es großartig, nicht mehr alleine zu sein, und der Kleine Ajan fand es so gemütlich, dass er gleich mal ein 20-Minuten-Nickerchen einlegte.
Euch allen einen schönen Wochenbeginn.
Liebe Grüße,
PS: Weitere WiBs findet ihr im Blog "Geborgen Wachsen" von Susanne Mierau.
Dazu gehört neben meinen nicht immer einfachen,
aber immer geliebten Kindern natürlich auch mein geliebter Mann, mit dem
ich dieses Jahr schon 9 Jahre verheiratet bin. Er ist mein Fels in der
Brandung, an dem ich mir zwar manchmal auch den kleinen Zeh stoße, der
mir aber immer Halt gibt, wenn ich nicht mehr weiter weiß, und der mich,
wo er nur kann unterstützt.
Gesundheit
Früher dachte ich, dass nur bei alten Leuten der Wunsch nach Gesundheit an erster Stelle steht. Im vergangenen Winter wurde ich eines besseren belehrt, denn ich war quasi dauerkrank. Dabei handelte es sich nicht einmal um ernste Krankheiten. Angina, grippaler Infekt, Magen-Darm... eigentlich nur Wehwehchen, aber in Summe haben sie mich regelrecht ausgelaugt. Gesundheit ist für mich seitdem ein sehr hohes Gut!
Kaffee
Das Wort sagt eigentlich schon alles. Her damit!!! :-D
Licht
Schlechtes Wetter macht mich depressiv. Ich bin da wirklich mega empfindlich. So sehr, dass ich mir in einem sehr tristen Winter sogar mal eine Tageslichtlampe angeschafft habe, die aus Platzgründen aber kaum noch zum Einsatz kommt. Zur Not tut es auch mal eine Kerze, um die Stimmung zu erhellen. Und ich liebe viele kleine Lichtquellen in Räumen. Auch da bin ich sehr empfindlich, denn genauso wie ich Dunkelheit nicht mag, kann ich auch grelle (Decken)Beleuchtung nicht ausstehen. Doch die einzig wahre Lichtspenderin ist und bleibt für mich die Sonne - am liebsten morgens!
Mit den Händen arbeiten
Wenn ich etwas (er)arbeite, dann möchte ich es am liebsten mit allen Sinnen tun, und dazu gehört eben auch und besonders der Tastsinn. Ob ich bei meiner geliebten Gartenarbeit in der Erde buddele, an der Nähmaschine sitze, häkele, stricke, koche, backe oder mit einem kleinen Hobel die Deckenwölbung einer Geige herausarbeite, meine Hände müssen immer irgendwie was zu tun haben. Und sei es nur, auf einer Tastatur zu tippen ;-)
Anerkennung
Dieser Punkt ergänzt eigentlich sehr gut den vorhergehenden. Natürlich mache ich Sachen, die mir Spaß machen, in erster Linie, weil ich dann mit mir selbst zufrieden und glücklich bin, aber wie toll ist es dann auch noch, wenn man hier und da mal ein nettes Wort oder gar ein Lob zu hören bekommt. Gerade in Phasen, in denen man daran zweifelt, ob das, was man tut, das Richtige für einen selbst ist, spendet positives Feedback und Bestätigung neue Zuversicht und Orientierung.
Reisen
... eine Leidenschaft, die ich in den letzten Jahren der Kinder wegen leider nicht mehr so wie früher wahrnehmen konnte, die aber sicher bald wieder Bestandteil meines Lebens sein wird. Dann allerdings kann ich all diese tollen Momente und Erlebnisse nicht nur mit meinem Mann, sondern sogar auch noch mit meinen Kindern teilen.
Blumen
Damit meine ich nicht den klassichen Blumenstrauß/Schnittblumen, sondern in erster Linie blühende, lebende Pflanzen im (eigenen) Garten - allen voran meine geliebten Rosen. Wenn ich sehe, wie alles blüht, grünt und gedeiht, bin ich glücklich.
Gutes Essen
Ich bin ein großer Wochenmarktfan und gebe verhältnismäßig viel Geld für gutes Essen aus, obwohl ich nicht oft auswärts essen gehe. Ich sehne mich allerdings auch danach, bald mal wieder mit meinem Mann schick in ein Restaurant auszugehen. Bald! ;-)
Harmonie
Egal ob im Kleinen oder Großen, ob in der Familie oder in der Welt, ich bin ein Pazifist. Auch wenn ich leicht reizbar bin, oder vielleicht auch gerade deshalb, ich kann Streit nicht ausstehen. Ich gehe ihm nicht aus dem Weg, aber ich bin kein nachtragender Mensch und bin verdammt froh, wenn alle sich wieder versöhnt haben.
Das waren meine 10 Glücklichmacher. Was macht dich glücklich? Bis zum 30. Mai 2015 kannst du noch mitmachen und deinen Post verlinken lassen.
Ein Highlight, das mich den ganzen Tag über und sogar schon seit Sonntag begleitet, ist mein Muttertagsstrauß - vom Fleischbaerchen überreicht und von meinem Mann wirklich liebevoll und aufmerksam ausgesucht. Als er am Freitag Abend von der re:publica nach Hause kam, hatte er sich bei einem gemeinsamen Gartenrundgang (klingt jetzt größer als er ist ;-)) gemerkt, dass ich mich sehr darüber freute, dass unsere Pfingstrosen so viele Knospen angesetzt haben. <3
Die (unabsichtlich einzige) apricotfarbene Blüte im Strauß öffnete sich heute mit einem deutlich hörbaren "Knack". Das durfte sie sich bei der Schönheit aber auch heraus nehmen ;-)
Nachdem mein Mann das Fleischbaerchen in die Kita gebracht hatte und
ich mit dem Kleinen Ajan allein zuhause war, machte ich mich erst mal
ans Rasen mähen und anschließend an den 2. Anstrich unseres neuen
Gartentörchens, das endlich den etwas tiefer liegenden Kompostbereich
vom restlichen Garten kindersicher trennt. Es glänzt nun wie unser
Gartenhaus in dezentem Steingrau.
Bei einer kleinen Bad-Session ließ ich den Kleinen Ajan auf den Fliesen herumrobben. Die Personenwaage steht zur Zeit ganz hoch im Kurs bei ihm. Und verschiedene Oberflächenstrukturen genauestens mit den Fingerspitzen untersuchen ist ebenfalls seine große Leidenschaft - in diesem Fall der flauschig weiche Badteppich.
Anschließend ging es an die mittägliche Löwenfütterung. Der kleine Herr zahnt gerade ganz schlimm und langwierig. Deswegen gab es den Möhren-Kartoffel-Fleisch-Brei kühlschrankkalt. Er liiiebt es! :-D
Danach passierte etwas Erstaunliches, und weil es so erstaunlich war, werde ich dafür gleich 2 von 12 Bildern verwenden. Der Kleine Ajan schaute zunächst immer wieder ganz verwundert zum Sonnenschirm hoch.
Soweit noch nichts Außergewöhnliches, denn er kannte dieses seltsame Ding bisher nicht. Aber sah sooo süß aus <3
Dann jedoch begann er, mit den Händen zu gestikulieren, was er sonst eigentlich noch gar nicht machte.
Rudimentär Winken, war bisher schon das höchste der Gefühle. Doch wir gehen ja nun schon seit 5 Wochen zu einem Babygebärdenkurs, von dem ich mir rein gar nichts erhofft hatte, außer unter Leute zu kommen. "Hallo", also Winken, hatte er vor 2 Wochen zum ersten Mal zurück gebärdet. Velleicht bildete ich es mir jetzt auch nur ein, aber nachdem er diese eine Geste noch 4 Mal immer wieder nach weiterem Hochblicken zum Schirm ganz hochkonzentriert wiederholte, kam mir plötzlich der Gedanke, dass er mir den Begriff "Baum" mitteilen wollte, weil sich unser Ampelschirm ja so ähnlich wie ein Baum im Wind verhält.
Ich nehme es schon mal vorweg, weil ich später leider keine Fotos mehr erhaschen konnte, aber am Nachmittag, als er vom Wohnzimmer die Bäume draußen im Wind sah, machte er dieselbe Handbewegung noch einmal. Im Nachhinein betrachtet war es wohl tatsächlich der Versuch, Baum zu sagen bzw. zu gebärden.
Und weil das soooo aufregend und anstrengend war, wurde anschließend noch einmal - fast von Mama beim Aufräumen nicht bemerkt - ein Powernap in der Wippe eingeschoben. Er hatte nicht mal Zeit, den Löffel loszulassen, so schnell war er im Träumeland.
Dann mussten wir auch schon los und um das Fleischbaerchen aus der Kita abzuholen.
Eine der Erzieherinnen hatte ihre wunderschönen Haare kunstvoll geflochten. Leider saß die Frisur nicht mehr ganz so taufrisch. Sah aber trotzdem noch toll aus. Ich wünschte, ich würde sowas auch hinbekommen, aber trotz meiner handwerklichen Begabung gehört Haare flechten nicht zu meinen Stärken.
Zuhause angekommen, wurden natürlich wie immer erst mal die Hände gewaschen und anschließend eingecremt. Festes Ritual im Tagesablauf!
Nach einem Abendbrot/-brei zu dritt überraschte uns der Kleine Ajan noch einmal. Leider ist das Bild verwackelt, und ich war auch eine Millisekunde zu spät dran, aber ich denke, man kann es trotzdem erkennen. Schon in seinen Schlafsack gepackt, versuchte er, sich am Wandvorsprung hochzuziehen. Hochziehen ist bei uns seit 2 Tagen im Trend, klappt aber bisher nur bis auf die Knie ;-)
Nachdem sich beide Kinder erstaunlich friedlich ins Bett bringen ließen, gibts nun noch zum Tagesausklang für den Mann Fußball und für mich Bloggen mit Käsebrot, Paprika und einer 2012er Scheurebe vom Weingut Johanneshof. Die Qualität des Bildes entspricht dabei ungefähr dem Grad meines geistigen und physischen Zustandes zu dieser späten Stunde.
In diesem Sinne sag ich dann auch mal: "Gute Nacht!"
Mein Mutterherz seufzt leise leidend. Das ist es also, das Ende der Stillzeit mit dem kleinen Ajan. In drei Tagen wird er 8 Monate und ich hatte doch solch euphorische Pläne.
Das Fleischbaerchen hatte ich 13 Monate gestillt - eine Stillzeit mit nicht gerade schönen ersten vier Monaten, in denen wir versuchten, die bittere Suppe auszulöffeln, die uns die Kinderkrankenschwestern im Geburtskrankenhaus eingebrockt hatten. Beim zweiten Kind sollte alles anders laufen. Ich wusste nun worauf ich achten musste, wählte ein babyfreundliches Krankenhaus als Ort der Geburt und ließ mir nicht mehr hineinreden, sondern vertraute auf meinen Mutterinstikt, so wie ich das beim 1. Kind auch hätte tun sollen. Zwar bekam ich trotzdem sehr schmerzhafte, rissige Brustwarzen, aber ich biss tapfer die Zähne zusammen. Ich wusste ja, wofür ich das alles in Kauf nahm, und ich hatte immer vor Augen dass die schöne Phase nicht mehr lange auf sich warten lassen würde. Nach dann doch wieder langen 6 Wochen wurde es schließlich besser. Die Wunden heilten und ich versorgte mein Baby ausschließlich mit einem Teil von mir - für mich immer noch ein Naturwunder!
Doch dann kam Fleischbaerchens Kitaeingewöhnung und etwa 4 Wochen später ging unsere winterliche Lazarettphase los. Angina, Magen-Darm, grippale Infekte, Mittelohr-, Neben- und Stirnhöhlenvereiterung - ich nahm alles (teils mehrfach) mit und war auf diese Weise den kompletten Winter dauerkrank. Trotzdem stillte ich weiter und der bei der Geburt ranke und schlanke Kleine Ajan mauserte sich zu einem richtig properen Kerlchen.
Nun muss ich sagen, dass ich von klein auf schon nie die properste Gestalt war. Ich krebste immer so an der Grenze zum Untergewicht und rang um jedes Pfund. Mein Problem war nie, Pfunde loszuwerden, sondern zu behalten oder gar auf die Rippen zu bekommen. Wie toll war es da, dass ich in der 1. Schwangerschaft 30 kg zunahm (davon allerdings zum Schluss 10kg Wasser) und in der zweiten 20kg. Ich sah wirklich endlich mal richtig gesund aus und fühlte mich wie ein rassiges Vollweib, eine Fruchtbarkeitsgöttin ;-) Doch schon nach der ersten Schwangerschaft hatte ich nach wenigen Monaten wieder mein Ausgangsgewicht erreicht. Und auch beim Kleinen Ajan lief es nicht anders. Innerhalb weniger Wochen waren die ersten 10kg trotz guter Fütterung und Rundumbetreuung durch meinen Mann wieder runter. Die nächsten 10 folgten "dank" Dauerkranksein dann im Laufe des Winters. Vor 2 Wochen stellte ich mich endlich mal wieder auf die Waage und bekam einen Schock. So konnte es nicht weitergehen. Heidi Klum und Kate Moss wären zwar vermutlich stolz auf mich, aber ich fühlte mich ausgemergelt und überhaupt nicht mehr schön und attraktiv.
Inzwischen hatte der Kleine Ajan allerdings schon fleißig begonnen, Brei zu essen. Ich nahm seine freudige Aufgeschlossenheit gegenüber pürierter Nahrung dankbar an. Das entlastete mich schon deutlich, auch wenn von einigen Seiten gleich die fast schon anklagende Nachfrage kam: "Warum gibst du denn Brei und nicht Fingerfood?" (Stichwort "baby led weaning") Er bekommt durchaus auch mal Fingerfood - das nur am Rande und ohne mich hier rechtfertigen zu wollen oder gar zu müssen ;-) - aber inzwischen futterte er 3 volle Breimahlzeiten und das Stillen hatte sich auf morgens, abends und nachts reduziert.
Nachts... das war das nächste Stichwort. Die Nächte waren immer noch der Horror. Ich hatte nicht den Anspruch, dass ein Baby nachts schläft, schon gar nicht mehr beim zweiten Kind. Seit Geburt hatte der Kleine Ajan nicht einmal eine Nacht offiziell durchgeschlafen (also 5h am Stück). Wenn wir auf 3 Stunden kamen, war das schon das höchste der Gefühle. Er wollte stattdessen alle 1-2h gestillt werden. Dabei ging es ihm auch tatsächlich nicht ums Nuckeln, sondern er trank jedes Mal. Dazu die fortwährenden Krankheiten, dann auch noch der tägliche Weg zur Kita, wenn ich mal wieder nicht mehr völlig flach lag (1/2h pro Strecke, vier Mal am Tag mit dem Kleinen Ajan in der Babytrage und dem Fleischbaerchen im Buggy). Wenn ich schon nicht zunehmen konnte, wollte ich einfach nur endlich mal wieder ein paar Stunden pro Nacht am Stück schlafen, auch wenn mir klar war, dass Durchschlafen in den meisten Fällen nichts mit Hunger zu tun hat. Beim Kleinen Ajan ahnte ich aber, dass er nicht zu "den meisten Fällen" gehörte.
An dem Morgen, als der erschrockene Blick auf die Waage fiel, fiel bei mir die Entscheidung: Zufüttern - mit dem vollen, schmerzlichen Bewusstsein, dass ich damit in Nullkommanix abstillen würde. Ich fütterte von da an erst einmal die eingeforenen Muttermilchvorräte und kaufte noch am selben Tag eine Packung Flaschennahrung. Seit etwa 2 Wochen stille ich nun noch morgens, oder besser gesagt, ich biete es an. Ich hatte mir "für mein Ego" vorgenommen, die 8 Monate Stillen noch "voll" zu bekommen. Doch mit rapide schwindender Milchmenge, schwand auch Klein Ajans Interesse. Heute morgen wurde schließlich nur noch kurz genuckelt und dann ohne mit der Wimper zu zucken fröhlich die Welt erkundet. Ich war regelrecht beleidigt. Eine Viertelstunde später erinnerte er sich wieder an den Hunger und die morgendliche Flasche wurde gierig getrunken. Vor einer Woche wäre dabei noch jedes Mal dieses verdammte Gefühl angekrochen gekommen, "ersetzt" worden zu sein. Mittlerweile ist es nur noch eine leise innere Abneigung: ich tue etwas, dass ich eigentlich immer noch nicht will, aber ich weiß und sehe, dass es, so wie es jetzt ist, gut für mein Kind ist. Und das ist doch eigentlich alles, was zählt, oder?
Ich bin wohl einfach ein undankbares Stück. Ich hadere weiter mit der Beraubung meiner liebsten Mutter"pflicht". Ich wollte dem Kleinen Ajan doch mindestens dasselbe bieten, was ich dem Fleischbaerchen schon zukommen ließ. Hätte ich es gekonnt und hätte er es gewollte, ich wäre wohl ein dieser von vielen schief beäugten Langzeitstillerin geworden. Ja, ich sollte dankbar sein, dass ich überhaupt trotz aller widrigen Umstände auf 8 Monate Stillzeit zurückblicken kann. Doch all diese Kommentare von Freunden, Bekannten und Familienangehörigen, die aufmunternd gemeint sind, regen mich manchmal trotzdem auf. Da fällt mir zum Schluss noch ein Zitat ein, das es für mich persönlich auf den Punkt bringt:
Da fährt der Mann nach Berlin zur re:publica, kommt mit einem Bündel neuer Eindrücken zurück, von denen er mir gleich mal so viele zukommen lässt, dass es mich in den Fingern juckt, und ich nach fast 8 Monaten glatt wieder mit dem Bloggen anfange... Ja, ich bin wieder hier, und ich möchte euch gleich mitnehmen zu einem Rückblick auf einen wunderschönen (Mutter)Tag.
Heute morgen weckte uns wie immer der Kleine Ajan. Hab dann noch völlig im Automatikmodus eine Milchflasche zubereitet und die einfach nur meinem Mann rübergereicht. Im Halbschlaf bekam ich mit, dass irgendwann das Fleischbaerchen wach wurde und mein Mann samt Kleinem Ajan das Schlafzimmer verließ. Als ich wieder wach wurde und auf mein Handy blinzelte, war es halb 11! "WAS? Ach du Schreck! Ach so, es ist ja Muttertag. Aber meine Schwiegereltern sind zu Besuch und wollten eigentlich nach dem Frühstück wieder abreisen. Egal, es ist Muttertag!"
Als ich die Treppe herunterkam, wurde ich freudig begrüßt und mein Schwiegervater flüsterte gleich dem Fleischbaerchen etwas ins Ohr. Sie sagte darauf hin: "Mama, möchtest du bitte ein Geschenk holen?" ♥♥♥
Schließlich bekam ich eine "selbst"gebastelte Karte aus dem Kindergarten und einen wunderschönen Blumenstrauß überreicht. Und nachdem sich meine Schwiegereltern verabschiedet hatten, gab es für mich erst mal frische Brötchen und Kaffee zum Frühstück.
Während Fleischbaerchen Mittagsschlaf hielt, kochte mein Mann das späte Mittagessen. Ja, ich wurde sogar zum Mittag bekocht und auch die Küche reinigte sich komplett selbsttätig. Hab ich schon mal gesagt, dass ich meinen Mann nicht mehr hergebe?
Am Nachmittag hatte sich das Wetter auf Festtagsniveau gemausert. Dabei sah es morgens noch ziemlich grau aus. Wir nutzen also die Sonne für einen Familienspaziergang zum Spielplatz.
Danach kümmerte sich mein Mann um die abendliche Babyfütterung, während ich noch in unserem Gemüsebeet die letzten Sonnenstrahlen nutzte, um dort Kohlrabi, Radieschen, Pflücksalat und Petersilie auszusähen und das Fleischbaerchen im Sandkasten spielte. Manch einer mag bei Gartenarbeit vielleicht an tatsächliche Arbeit denken. Für mich war es der perfekte, entspannende und doch produktive Abschluss eines wunderschönen Tages.
Nach einem äußerst friedlichen Zu-Bett-Bringen beider Kinder wurde er schließlich von einem leckeren Abendsnack gekrönt: im Ofen gebackender Feta mit Olivenöl und mediterranen Kräutern aus dem eigenen Garten. Und auch dieses Mal wurde ich bekocht. Was für ein Luxustag! Ich habe ihn wirklich genossen.
Und ich möchte mich abschließend noch ganz ♥lich bei allen bloggenden Mamas bedanken, die beim #blomm meinen Mann (unwissentlich?) gebrainwashed haben. Ihr habt es tatsächlich geschafft, dass er seinen Meinung zum Muttertag geändert hat. Letztes Jahr habe ich nämlich nichts bekommen - aber das hat er ja nun doppelt und dreifach wieder wettgemacht ;-)
Liebe Grüße,
P.S.: Während ich hier gerade sitze und schreibe, ist mein Mann seit über einer Stunde oben und versucht den Kleinen Ajan wieder zum Schlafen zu bringen! Ja, ich habe nicht unbedingt das schlechteste Männerexemplar erwischt. ♥
Nun
ist es schon über eine Woche her, dass unser Adrian das Licht der Welt
erblickt hat. Allerhöchste Eisenbahn, endlich mal schriftlich
festzuhalten, wie sich das mit dem auf die Welt kommen so zugetragen hat.
Samstag, 13.9.2014:
Am frühen Morgen wachte ich mit Wehen auf, die mich nicht mehr
schlafen ließen. Schon am Vorabend hatte ich bemerkt, dass die Senkwehen, die ich schon seit 2 Wochen hatte, sich irgendwie stärker und unangenehmer anfühlten. Doch sie waren unregelmäßig zw. 8 und 10min und ich konnte trotzdem erst
einmal noch schlafen. Als ich schließlich nicht mehr schlafen konnte,
las ich noch ein wenig mit meinem Handy im Internet und döste dann in den Wehenpausen so gut
es ging vor mich hin. Dazwischen musste ich fast stündlich zur Toilette
um Wasser zu lassen. Das kannte ich zuvor überhaupt nicht aus der
Schwangerschaft. Normalerweise musste ich wenn überhaupt einmal pro
Nacht raus. Aber die Wehen drückten am unangenehmsten, teils richtig stechend im
Blasenbereich. War die Blase wieder
leer, war es nicht schlimmer als Menstruationsschmerzen. So gegen halb
6 oder 6 Uhr schlief ich dann doch wieder ein. Steffen ließ mich am Morgen ausschlafen und kümmerte sich um Emmi.
Um ca. 9 Uhr kam ich dann zum Frühstück, wobei
ich weiter unregelmäßige Wehen im 6-8min-Abstand hatte, die ich lieber veratmete als dabei weiter mit Emmi und Steffen zu reden. Steffen und
ich fanden das ziemlich amüsant, und Emmi staunte nicht schlecht, dass
ihre Mama da gelegentlich so lange und seltsam ausatmete. Wir sagten ihr,
dass Mama Wehen habe (auch wenn sie den Sinn noch nicht verstand, so
hatte die Sache doch nun zumindest einen Namen) und dass das Baby nun bald aus Mamas
Bauch rauskommen wolle. Letzteren Gedanken kannte sie schon aus ihren zwei Geschwisterbüchern, die wir ihr im Laufe meiner Schwangerschaft geschenkt hatten.
Da die Wehen aber schon gesagt noch sehr
unregelmäßig kamen und gingen (ich hatte Tage/Wochen zuvor schon mal Senkwehen im 4min-Abstand gehabt und die kamen wie nach der Uhr
gestellt), und sich auch überhaupt nicht schlimm anfühlten, beschlossen wir, noch mal einen Spaziergang zum 15min
entfernten Edeka zu machen. Zuvor kam natürlich der obligatorische Gang
zur Toilette. "Was weg ist, ist weg." Und dann war plötzlich tatsächlich
was "weg", bzw. auf dem Toilettenpapier: der Schleimpfropf, oder wie
sich im Laufe des Tages herausstellen sollte, ein Teil des
Schleimpfropfes. Ich wurde plötzlich euphorisch aufgeregt. Schon Tage zuvor hatte ich gerätselt, wie dieses "Ding" den aussehen könnte, und ob man das nicht übersehen könne. Bei Emilia unserer Großen, wurde damals ja vorher eingeleitet. Da hatte ich das alles nicht mitbekommen. Aber dieses Mal war es live und in Farbe, was sich da in meinem Körper abspielte. Alles stellte sich Schrittchen für Schrittchen auf die Geburt ein und damit war auch klar: es waren tatsächlich echte Wehen. Natürlich konnte es auch noch 2, 3 Tage dauern, bis
es jetzt "richtig" losging, aber es tat sich was. Auch das nächtliche Wasserlassen schien damit
zusammenzuhängen.
Noch auf der Toilette sitzend schrieb ich meiner Nachbarin, die im Fall der Fälle
auch auf Emmi aufpassen sollte, falls es Steffens Eltern nicht
rechtzeitig schaffen sollten. Wir brachten, bevor wir weiter zum
Einkaufen gingen, noch schnell das Reisebett und Emmis Kindersitz vorsorglich zu ihr. Man
konnte ja nie wissen ;-)
Auf
dem Weg zu und im Edeka hatte ich weiterhin Wehen, aber beim Gehen
waren sie noch viel besser erträglich als im Liegen in der Nacht
zuvor. Der Tag plätscherte so vor sich hin. Ich machte noch mal ein
Heublumendampfbad und am Nachmittag beschlossen wir Eis essen und auf
den Spielplatz zu gehen. Die Wehen waren zwar nun schon stärker und im nun regelmäßigen 10min-Abstand und
aber immer noch sehr gut zu veratmen. Auf dem
Spielplatz trafen wir dann ein Pärchen mit einer Tochter, die vermutlich
etwas älter war als Emmi, und im Kinderwagen ein kleines Baby. Wir kamen
ins Gespräch und es folgten die üblichen Fragen: "Was wird es denn?"
"Wie lange noch?" usw. Als ich erzählte, dass ich bereits 3 Tage über Termin sei, kam wieder die übliche, leicht mitleidige
Verwunderung, die ich schon seit 1 1/2 Wochen um mich herum verspürte.
"Und da hast du immer noch Geduld?"
Ähm, ja. Was bitte hätte ich denn tun sollen? Ohne triftigen Grund einleiten lassen? Nein, danke.
Und als ich dann noch erzählte, dass ich bereits Wehen im 10min-Abstand hatte, war
das Staunen noch größer.
"Und da geht seid ihr noch hier?"
Ja, wo denn sonst?
Ich hingegen (und Steffen auch) sah das alles
vollkommen gelassen. Das einzige was mich die letzten Tage beunruhigt hatte, war die Unruhe und Ungeduld der anderen, wovor ich mich einfach so gut wie möglich versuchte abzuschotten. Anrufe nahm meistens auch nur noch Steffen entgegen.
Das Kind würde mir schon nicht einfach "da unten
rausfallen". Ein Handy und meine Kreißsaaltasche hatten wir für den
"Notfall" immer dabei. Was bitte sollte also passieren?
Zuhause
angekommen verlief der Tag weiterhin wie immer. Beim Fernsehen abends
stoppte ich dann auch noch mal die Wehenabstände und war fast ein wenig
enttäuscht, denn sie waren wieder sehr unregelmäßig und die Abstände
im Schnitt fast 9min lang.
Wir
gingen schon um 10 ins Bett. Doch ich konnte beim besten Willen nicht
einschlafen. Die Wehen waren doch zu präsent und ich musste mich aufs
Veratmen und Entspannen konzentrieren. Ich versuchte ganz bewusst die
HypnoBirthing-Techniken anzuwenden, kam im Liegen damit aber überhaupt
nicht klar, weil es im Blasenbereich schon wieder so stach.
Sonntag, 14.9.2014:
Um ca. 1 Uhr
stand ich schließlich auf und weckte Steffen sanft. Als er zu sich
gekommen war, beratschlagten wir uns und beschlossen, dass wir Steffens
Eltern anrufen, auf dass sie zu uns fahren. Selbst wenn sich später im Krankenhaus herausstellen sollte, dass es noch viel zu früh war, so konnten wir uns dort immer noch ins Familienzimmer einquartieren. Zumindest hatte ich nicht mehr diese doch latente Ungewissheit im Hinterkopf, ob das alles mit dem Babysitter für Emmi reibungslos klappt. Steffens Mama war sogar noch nicht
mal eingeschlafen. Die beiden machten sich auf den Weg und wir setzten uns
erst mal ins Wohnzimmer.
Ich machte es mir auf der Couch bequem. Ein Kissen im Lendenwirbelbereich, damit ich leicht nach hinten gelehnt sitzen
konnte, ein Kissen im Nacken, die Beine lang, den linken Fuß auf dem Boden, den rechten
auf einem niedrigen Hocker abgelegt und bis zur Hüfte mit einer Kuscheldecke
zugedeckt. In dieser Haltung verbrachte ich an die 3 Stunden und veratmete
Wehe um Wehe. Zwischendurch reichte mein Mann mir immer mal wieder meine
Tasse Himbeerblättertee. Bei jeder Wehe merkte ich, welchen Einfluss
meine An- oder Abwesenheit von Angst vor Schmerzen auf den
tatsächlich empfundenen Schmerz hatte. Blendete ich diese Angst bzw.
Abneigung komplett aus und akzeptierte es einfach (ändern konnte ich ja
eh nichts daran) und konzentrierte mich ganz darauf, meinen Körper und ganz besonders
meinen Beckenboden und meinen ganzen Unterleib zu entspannen, dann war
da tatsächlich überhaupt kein Schmerz(!) sondern nur ein starker Druck nach unten. Ein unglaublich
faszinierendes Gefühl. Ich kam mir fast ein wenig so vor, als wenn ich mich als Außenstehende selbst beobachtete. Schließlich war meine Entspannung so groß, dass
ich in eine Art Trance verfiel und mich in einem Zustand wie kurz vor dem Einschlafen befand - immer noch gewahr der Dinge, die um mich herum
passierten (Steffens Tippen auf dem iPad, das Ticken der Uhr) aber alles irgendwie weiter weg. Wie sehr hatte ich mir genau das gewünscht: die Eröffnungsphase der Geburt noch zuhause in vertrauter Umgebung erleben zu dürfen. Und nun war es Wirklichkeit und ich fühlte mich einfach nur wohl, und meine Vorfreude auf unseren Schatz stieg von Wehe zu Wehe.
Um
halb 4, als ich bereits wieder "aufgewacht" war, kamen schließlich
Steffens Eltern an. Die staunten nicht schlecht, als sie mich ruhig und
entspannt und nur gelegentlich tief auf "fff" ausatmend in der Sofaecke
sitzen sahen. (Mit der
lautlosen HypnoBirthing-Atemtechnik kam ich nicht klar, und das fff-Ausatmen ist bei mir schon durch jahrzehntelange Gesangserfahrung intus.) Ich beschloss noch mal ein Heublumendampfbad zu nehmen und
sagte Steffen, dass er danach dann dem Krankenwagen rufen könne. (Wir haben
kein Auto und der Transport war ein vom Krankenhaus angepriesner, kostenloser
Service.) Steffens Eltern sollten ruhig erst einmal wieder ins Bett
gehen, denn unsere Große würde es am Morgen herzlich wenig interessieren, ob Oma und Opa geschlafen hatten oder nicht. ;-)
Als
ich mit dem Dampfbad fertig waren, rief ich als allererstes noch einmal
im Kreißsaal an. Beim Infoabend wurde nämlich gesagt, dass es ganz
praktisch sei, wenn die diensthabenden Hebammen schon mal die Akte
heraussuchen könnten. Da ein ausführliches Anmeldegespräch einige Wochen vor dem errechneten Termin für die übrigens rein hebammengeleiteten Geburt stattgefunden hatte, bei dem ich viele Wünsche und Ängste äußerte, die alle notiert worden waren, war diese Akte auch ziemlich wichtig.
Und wer meldete sich da im Kreißsaal? Die Nachsorgehebamme
einer guten Freundin, die 6 Wochen vor mir eine Tochter im selben Krankenhaus zur
Welt gebracht und auch schon einen 6 Wochen älteren Sohn als unsere
Emmi hat. Und das Amüsanteste daran: Die Freundin hatte mir wenige Tage
zuvor erst erzählt, dass sie ihrer Hebamme scherzhaft gesagt hatte,
falls sie zufällig Dienst haben sollte, wenn ich dort auftauche, solle
sie mich ja gut behandeln.
Anschließend
rief Steffen bei der 19222 an. Dort meldete sich die Leitstelle in Hamburg,
die aber nichts von einem sogenannten "Baby-Taxi" zu unserem Krankenhaus wussten.
Mein Mann wurde weiter verbunden und gelangte dabei schließlich an die
Notrufzentrale, also die 112, im Nachbarort. Der Mann am anderen
Ende war nicht all zu erfreut darüber, dass wir nun unfreiwillig bei
ihm gelandet waren, aber er meinte schließlich, dass wir ja nichts dazu
könnten, ich Wehen hätte und wir ja nun mal jetzt einen Transport bräuchte. Er schicke einen Krankenwagen vorbei. Hatte ich eigentlich schon
erwähnt, dass meine Wehen zu dem Zeitpunkt im regelmäßigen 3 Min-Takt
kamen? ;-)
Etwa
eine Viertelstunde später, um halb 5 war der Krankenwagen da, und am
Steuer saß genau der Rettungsassistent, der auch schon genau die 2
Male zuvor, an denen wir jemals einen Krankenwagen gebraucht hatten, am
Steuer gesessen hatte. Wie schön, dass es dieses Mal
einen erfreulichen Anlass gab.
Auf
der Fahrt stellte mir der 2. Rettungsassistent unentwegt Fragen,
während ich immer mal wieder meine Wehen veratmete und dabei seitlich liegend ganz schön durchgeschüttelt wurde. Grelles Licht schien von der Autodecke
auf mich herab. Eine total seltsame Situation, aber ich sagte mir,
dass wir ja bald da seien. Und was mir auch noch die ganze Zeit durch
den Kopf ging war: "Hoffentlich denken die jetzt nicht, wenn ich hier so
ruhig meine Wehen veratme, dass ich ein Hypochonder bin." Doch allein die Aussage, dass ich so durchgeschüttelt wurde, weil "der Kollege sich beeile" und die Frage, warum ich denn nicht bei 10 Minuten Wehenabstand bereits den Krankenwagen gerufen hätte, relativerten meine Befürchtung, nicht ernst genommen zu werden im Nachhinein betrachtet dann doch etwas
Wir
kamen im Krankenhaus an, wurden von Anna begrüßt und ich wurde mit der Bahre bis
in den CTG-Raum geschoben. Dort angekommen verabschiedeten wir uns vom
Krankenwagenpersonal und ich ging erst mal alleine wieder zu Fuß fast
zurück bis zur Eingangstür zur Toilette und von da wieder zurück in
einen den Kreißsäle. Ich fand das ja sowas von übertrieben, dass ich da
durch die Gegend geschoben wurde, aber gut: ein Liegendtransport bringt
nun mal mehr Geld ein. ;-) Egal. Hauptsache, wir waren angekommen. Und meine
Freude darüber, dass Anna Dienst hatte, war riesengroß. Sie war
vermutlich etwa so alt wie ich und machte auf Anhieb einen sehr aufgeschlossenen,
unkomplizierten, fröhlichen Eindruck. Und sie erinnerte sich
natürlich auch an die Ankündigung meiner Freundin, dass da eventuell eine Anne auftauchen könne. Es war eine herrlich ungezwungene Stimmung und wir lachten sehr viel. Im Kreißsaal fragte mich Anna, ob
es ok sei, wenn sie mal meinen Muttermund untersuche um zu sehen, "wie
weit" wir denn seien. Darauf war ich selbst ehrlich gesagt gespannt wie
ein Flitzebogen. Aber ich rechnete auf Grund der
leidlichen, langwierigen Einleitungserfahrung bei Emilias Geburt und da ich ja bisher eigentlich noch praktisch keinerlei Schmerzen gehabt hatte, mit gar nichts, außer einem Einzug ins Familienzimmer auf der Wöchnerinnenstation und viel Wartezeit.
Doch was Anna dann schmunzelnd sagte, ließ mich fast ausflippen vor
Freude: "Tja Anne, ich würde sagen, das Schlimmste hast du schon
geschafft. Der Muttermund ist jetzt bei 8 Zentimetern." Irre. Das konnte
doch gar nicht sein? Was war denn daran bisher schlimm gewesen? Die
Stimmung wurde immer ausgelassener und ich vergoss ein paar Freudentränen. Anna schloss mich derweil ans CTG an
- mit Telemetrie, sodass ich mich frei bewegen konnte - und meinte: "Du
wolltest doch eine Wassergeburt, oder? Ich lass dann schon mal derweil das
Wasser in die Wanne ein." Unglaublich. Einfach nur unglaublich. Ich hatte damit
gerechnet, dass es noch ewig dauern würde und nun durfte ich schon
direkt in die Wanne. Aber im Hinterkopf arbeitete es trotzdem still, heimlich
und leise weiter. "Wie lange durfte man noch mal so im Schnitt in der Wanne
bleiben? Hoffentlich ist das jetzt nicht zu früh, sodass ich dann
vorzeitig aus der Wanne muss." Ich war trotzdem komplett
in einem Endorphinrausch. Die Wanne! Ich durfte tatsächlich in die
Wanne - etwas, dass mir bei Emilias Geburt ganz plötzlich und ohne
triftigen, medizinischen Grund unter den schmerzhaftesten Wehen der
gesamten Geburt verwehrt worden war und mich stimmungsmäßig unglaublich runtergezogen hatte. Und diesen für mich persönlich riesengroßen Meilenstein hatte ich jetzt einfach mal so zwischen Einkaufen gehen, Eisessen und Heublumendampfbad geschafft.
Und
was soll ich sagen, die Wanne war einfach himmlisch! Zwar war der Stöpsel am Tag zuvor erst
mit der Wäsche verloren gegangen und ein Handtuch musste diesen jetzt
ersetzen und waberte wie ein Gespenst neben mir unter Wasser umher, aber
ich fand das alles nur noch um so lustiger. Die Wärme des Wassers
jedenfalls tat super gut. Nach einer Weile wurde es mir allerdingsregelrecht heiß . Mir lief der Schweiß nur so von der Stirn. Aber da
sowieso ständig Wasser aus der Wanne ablief, weil der improvisierte
Stöpsel natürlich nicht komplett dicht hielt, ließ Steffen immer mal
wieder kühleres Wasser einlaufen. Unterdessen veratmete ich weiter
konzentriert, aber trotzdem entspannt und lächelnd meine Wehen und genoss die
Vorfreude darauf, dass wir schon ganz bald unser 2. Kind in den Armen
halten würden. Bis dahin hatte ich noch so überhaupt nicht damit
gerechnet, dass das noch am selben Tag der Fall sein würde, aber so
langsam wurde es mir immer bewusster. Und welche Ironie wieder einmal:
bei selbigem Spielplatzbesuch mit schon erwähnter Freundin hatten wir herumgewitzelt, wann unser "Krümelchen"
sich denn nun wohl auf den Weg machen würde. Ich meinte, dass der 14.
doch ein sehr schönes Datum sei, weil unsere Große ja auch am 14.
(November) geboren ist. Und meine Freundin entgegnete darauf nur schmunzelnd:
"Ok. Also kommt euer Baby am 14.. Abgemacht! Das merke ich mir."
Dann
passierte etwas, was ich so überhaupt nicht mit "eingeplant" hatte:
Schichtwechsel! Dass ich daran nicht gedacht hatte! Ich merkte, wie meine
euphorische Stimmung ein Stück gen Teppich der Tatsachen absackte. Die
"neue" Hebamme machte jetzt zwar auch einen sympathischen Eindruck, aber
ich kannte sie noch so überhaupt nicht, und ich hatte mich innerlich doch
auch auf Anna eingestellt und gefreut. "Wie blöd von mir!" dachte ich, und versuchte
mich wieder auf mein Inneres zu konzentrieren. Es musste ja nun mal weitergehen.
Die
neue Hebamme namens Magda untersuchte noch einmal meinen Muttermund und
schloss mich nach einer Weile noch einmal in der Wanne per Telemetrie ans CTG an, um zu schauen, oh es Baby
gut ginge. Wieder einmal schlief unser Krümelchen, so wie es das auch schon die beiden Male bei der Routine-Kontrolle am errechneten Termin, sowie 2 Tage danach und auch beim 1. Geburts-CTG im Kreißsaal gemacht hatte. Jedes Mal musste die Hebamme meinen Bauch schütteln bzw. ich musste mich bewegen, damit Baby aufwacht. Aber jedes Mal war auch alles in bester Ordnung gewesen. Krümelchen war eben genauso tiefenentspannt wie seine Mama. ;-)
Dann bekam ich plötzlich einen Bärenhunger. Ich fragte Magda, ob sich um diese Uhrzeit (es war ja schon früh morgens) von irgendwo ein trockenes Brötchen auftreiben ließe. Da jedoch vermutlich durch den Schichtwechsel im Hintergrund noch einiges Organisatorisches ablief, was wir nicht mitbekamen, geriet dieser Wunsch zunächst wieder in Vergessenheit.
Beim Blick auf die CTG-Kurven dann schließlich eine Hiobsbotschaft: Magda meinte, dass wir die Fruchtblase öffnen müssten, weil Babies Herztöne unter den Wehen immer etwas absackten. Unterdessen hatte sie den Dopplerkopf bereits ganz tief unten an meinem Bauch angebracht und er drückte mir bei jeder Wehe unangehm auf meine Blase. Das störte mich ziemlich, aber ich nahm es hin. Was ich jedoch nicht hinnehmen wollte, war der Vorschlag, die Fruchtblase zu öffnen. Ich wollte doch dieses Mal eine komplett natürliche Geburt, solange es keinen wirklich triftigen, medizinischen Grund für einen Eingriff gab. Magda schlug vor, die 2. diensthabende Hebamme dazuzuholen, da sie ein Ablehnen eines vorgeschlagenen Eingriffs nicht alleine absegnen dürfe. Als sie wieder zurück in den Kreißsaal kam, brachte sie auch gleich ein reich gedecktes Frühstückstablett mit dem heiß ersehnten Brötchen mit. Und die zweite Hebamme war für mich ein bereits bekanntes Gesicht. Sie hatte die Kreißsaal-Infoveranstaltung geleitet, als ich Wochen zuvor vor der Entscheidung stand, in welchem Krankenhaus ich denn nun mein Baby zur Welt bringen möchte. Bei der Kreißsaal-Führung fand ich die Hebamme sehr sympathisch. Wie sie nun aber so neben der Wanne stand und in Anbetracht der ganzen verzwickten Situation wirkte sie plötzlich ernst und streng, besonders, als sie ebenfalls zu dem Schluss kam, dass die Fruchtblase nun geöffnet werden müsse. Auch auf die Nachfrage, ob es denn medizinisch wirklich notwendig wäre, blieb sie bei ihrem "Ja". Ich war hin- und hergerissen. Wenn es wirklich so unabdingbar wichtig war, wieso blieben dann alle weiterhin ruhig und abwartend? Und wieso hatte ich immer noch das sichere Gefühl, dass es meinem Baby gut ging und alles ok war? Täuschten mich jetzt plötzlich mein Mutterinstinkt, auf den ich mich die komplette Schwangerschaft hatte hundertprozent verlassen können - ausgerechnet zum Ende der Geburt? Andererseits wollte ich meinem Schatz natürlich auch keinen Schaden zufügen. Ich sah meinen Mann hilflos an und er deutete meinen Blick genau richtig. Er machte exakt das, was wir viele Male zuvor zuhause esprochen hatten: er war mein Anwalt, fragte nach und ließ sich alles ganz genau erklären.
In dieser Zeit machte ich das einzige, was mir in diesem ansatzweise verzweifelten Zustand einfiel: ich sprach zu meinem Baby in meinem Bauch, streichelte meine noch wunderschöne Kugel und sagte laut: "Hey Krümelchen, bald haben wir es geschafft. Bald können wir uns sehen. Dieses kleine Bisschen schaffen wir jetzt auch noch zusammen, ok?" Wieder kam eine Wehe, und was ich dabei spürte, war unglaublich. Die Wehe und der Druck nach unten waren plötzlich deutlich stärker als zuvor. Und ein Blick auf das CTG verriet auch warum: Krümelchen war aufgewacht! Die Herztöne waren wieder mustergültig. Ich fühlte so eine unbeschreibliche Verbundenheit zu meinem Baby, dass ich es gar nicht in Worte fassen kann und dass mir beim Schreiben jetzt schon wieder die Tränen kullern. Der Mutterinstinkt ist definitiv kein Mythos. Daran habe ich bis dahin schon fest geglaubt, aber seit diesem Zeitpunkt weiß ich es (zumindest für mich persönlich) ganz sicher.
Kaum war die Gewissheit da, dass alles gut war, meldete sich mein Hunger wieder. Ich sagte, dass ich nun unbedingt noch eine Stärkung bräuchte, bevor es nun "richtig losginge". Steffen hielt mir also das Brötchen hin und ich biss noch einmal kräftig ab. Die nächste Wehe kam, und ich biss noch einmal ab. Mit der darauffolgenden Wehe passierte schließlich etwas, was so etwas wie die Bestätigung, gewissermaßen das Siegel dafür war, dass wir alles richtig gemacht hatte: mit einem für mich innerlich sehr deutlich spürbaren Ruck und "Knack" und einem fast explosionsartigen Schwall, der sogar das Wasser aus der Wanne herausschwappen ließ, platzte die Fruchtblase. Was für eine Naturgewalt! Das alles kam so plötzlich, dass ich mich richtig erschrak und mit meinem Atem für einen Moment völlig aus dem Rhytmus kam und fast hyperventilierte. Die Hebammen sagten etwas von "Laaange ausatmen" und Atemzug um Atemzug beruhigte ich mich wieder. Und dann war er plötzlich da, der Drang zu Pressen. Ich weiß, dass bei der Hypnobirthing-Technik nicht gepresst, sondern das Kind nach unten geatmet wird, doch ich konnte mir das auch schon beim Lesen des Buches überhaupt nicht vorstellen, wie man diesem Drang widerstehen kann. Als dann noch die Hebammen sagten, ich solle jetzt mitpressen und ich dieser unendlich großen Versuchung erlag, gab es schließlich kein Halten und kein Zurück mehr. Mit der nächsten Wehe war auch schon das Köpfchen sichtbar. Ich tastete danach, wie ich es auch bei Emmis Geburt getan hatte, und spürte weiche, schleimverschmierte, warme Haare. "Wieder so viele Haare, wie bei Emilia!" sagte ich halb lachend, halb außer Atem und mit ganz viel unbeschreiblicher Freude.
Diese letzte Phase der Geburt war die einzige für mich wirklich schmerzhafte, aber sie war nicht so schmerzhaft, dass ich mich davon völlig überrumpelt fühlte. Ich weiß nicht mehr ganz genau, wieviel Wehen ich pressen musste, aber ich und auch mein Mann schätzen, es waren nach dem Blasensprung nicht mehr als 3 oder 4, da war Krümelchens Köpfchen geboren. Ich streichelte unter Wasser die nun eindeutig fühlbare Haarpracht und rief euphorisch irgendetwas wie "Gleich ist unser Baby da. Gleich haben wir es geschafft." Im Augenwinkel sah ich, wie Magda mit beiden Händen im Wasser war und irgendetwas am Baby machte. Für einen ganz kurzen Moment war ich irritiert. Wollte sie jetzt bei der nächsten Wehe "mithelfen", die Schultern zu gebären? Bei den Nachbarn meiner Eltern hatte es eine Hebamme dabei "geschafft", so unglücklich an den Armen zu ziehen, dass der Sohn seitdem einen irreversibel gelähmten Arm hat. Ich schob dieses Horrorszenario schnell beseite, denn die nächste Wehe war schon auf dem Weg. Und dann war es so weit. Der Moment der Momente war tatsächlich da: Unser Krümelchen war geboren und wurde mir direkt auf die Brust gelegt. Die Hebammen schnitten mir den Gurt unter dem die CTG-Fühler geklemmt hatten durch und zogen ihn unter meinem Baby hervor, damit wir kompletten Hautkontakt haben konnten. Dann schließlich nach einer gefühlten Ewigkeit der erlösende erste Schrei - noch etwas heiser, aber er wahr da. Ich streichelte die Haare, den Körper, beschnupperte und küsste den noch ganz glitischigen, nassen Kopf und verspürte ein Feuerwerk der Endorphine, wie ich es noch nie zuvor in meinem Leben erlebt hatte. Auch mein Mann streichelte unser kleines Wunder und wir bemerkten gleichzeitig die schon komplett rosige Haut. Emilia sah nach der Geburt schon wirklich super aus und hatte lediglich leicht bläuliche Händchen, aber dieser kleine Mensch sah aus, wie ein toppfittes, fertiges Baby, im Vergleich zu Emmi aber unglaublich zart und zerbrechlich - kein Wunder bei einer 4325g schweren Schwester. ;-)
Aber was war nun eigentlich los, als Magda kurz vor der Geburt der
Schultern ihre Hände unter Wasser hatte? Sie hatte nichts anderes
gemacht, als schnell die Nabelschnur, die sich einmal um den Hals unserer
Krümelchens geschlungen hatte, abzuwickeln. Um mich jedoch nicht
unnötig zu beunruhigen, hatte sie extra während der Geburt nichts dazu gesagt, sondern - in diesem Fall goldrichtig - einfach gemacht. ♥
Schließlich kam Magda mit Klemme und Schere - wieder einmal so ein kurzer Schreckensmoment für mich. "Ist denn die Nabelschnur schon komplett auspulsiert?" fragte ich hastig. Bei Emilia ging das alles so blitzschnell, dass nicht mal mein Mann die Chance hatte, die Nabelschnur selbst durchzuschneiden, geschweige denn zuvor ein Veto einzulegen. Doch Magda fühlte noch einmal an der Nabelschnur und beruhigte mich: "Ja, kein Puls mehr." Sie setzte die Klemme und gab Steffen die Schere in die Hand. Ein kleiner Schnitt für die Menschheit, aber ein ganz großer für Mama und Papa.
Während das Wasser aus der Wanne abgelassen wurde und Steffen und ich noch mit Kuscheln beschäftigt waren, waren die Hebammen im Hintergrund bereits damit beschäftigt, die Formalitäten zu erledigen, was ich gar nicht richtig mitbekam. Und plötzlich stand DIE Frage im Raum, die uns 9 Monate zuvor ständig gestellt worden war: "Was ist es denn nun eigentlich?" Wir hatten uns ja überraschen lassen und fanden diese Frage die komplette Schwangerschaft über schon "unnötig". Hauptsache es wird ein gesundes Baby. Und ein wenig Überraschung ist bei einer zweiten Schwangeschaft ja auch nicht verkehrt. ;-) Trotzdem hatte ich mir schon den Moment ausgemalt, an dem der berühmte Satz "Herzlichen Glückwunsch, es ist ein..." fallen würde. Doch wie unwichtig das angesichts dieses Wunders war, dass sich da gerade ereignet hatte, wurde jetzt erst richtig deutlich. Eine der Hebammen hob schließlich kurzerhand den Popo des neuen Erdenbürgers hoch und löste das Rätsel: "Ein Junge! Es ist ein Junge!"
Wir hatten einen Jungen - erst eine Traumgeburt, dann auch noch Klischeefamilie pur. Ich hatte innerhalb der letzten 48 Stunden sämtliche Weihnachts- und Geburtstagsgeschenke meines restlichen Lebens vorträglich bekommen. Und dass man dann doch nicht ganz frei von innerlichen, versteckten Erwartungshaltungen ist, wurde mir in diesem Moment bewusst. Ich hatte doch mehr, als ich es mir eingestanden hatte, mit einem Mädchen gerechnet, nicht aus dem Wunsch heraus, noch ein Mädchen "haben zu wollen" - im Gegenteil, die Klischeefamilienkonstellation erschien mir schon sehr verlockend ;-) - sondern schlichtweg deswegen, weil viele zuvor gemeint hatten, dass aufgrund dessen, dass meine Schwangerschaft physisch und psychisch so anders verlief, als die vorherige, es ein Junge sein müsse. Dieses Klischee konnte ich als auf- und abgeklärter Mensch so natürlich aus Prinzip nicht stehen lassen. Ganz zu Anfang hatte ich sogar selbst (grundlos) auf einen Jungen getippt. Aber da ich mir bei Emilia anfangs auch sooo sicher gewesen war, dass es ein Junge wird, sagte ich mir einfach: diese Mal wird es bestimmt wieder ein Mädchen. Unser Überraschungsbaby entpuppte sich für mich also als tatsächliche Überraschung. ;-)
Während wir immer noch völlig überwältigt waren von unserem zweiten Baby, wurden wir dann kurz wieder in die Realität zurückgeholt. Die Plazenta musste sich ja noch auf den Weg machen. Doch die hatte sich, ohne dass ich das Geringste davon mitbekommen hatte, in der Zwischenzeit von selbst gelöst und lag bereits am Gebärmutterausgang. Noch ein einzige Mal musste ich ganz leicht drücken und schon war sie da in ihrer ganzen Pracht. Und das Wörtchen "ganz" sollte in diesem Fall auch wirklich ernst genommen werden, denn mein Mann meinte im Nachhinein, dass der Mutterkuchen bei Emilias Geburt ganz anders ausgesehen hätte - irgendwie zerfetzt. Ich selbst hatte das alles gar nicht zu Gesicht bekommen, so schnell war sie auch schon im Müll verschwunden, dabei war ich so neugierig, wie dieses Ding, dass mein Baby da 9 Monate versorgt hatte, aussah. Deshalb rief ich dieses Mal auch gleich: "Kann ich sie bitte mal sehen?" Und so zeigte und erklärte uns Magda ausführlich, wie die Plazenta an der Gebärmutterwand gesessen hatte, dass sie innen mit einer Haut abgeschlossen war usw.. Es klingt vielleicht lächerlich, aber für mich war das ein weiterer wichtiger Schritt, mein Trauma der ersten Geburt zu verarbeiten und ein Stück auszugleichen.
Dann sollte ich aufstehen. Mein Mann nahm unseren Sohn in Empfang, der noch einmal in ein frisches, mollig warmes Tuch gewickelt wurde, und ich kam mir derweil vor wie ein gestrandeter Wal. Wenn man mehr als 2 Stunden fast schwerelos in einer riesigen Badewanne planschen darf und dann noch körperlich gesehen gerade einen Marathon gelaufen ist, irgendwie nicht verwunderlich. ;-)
Ich wurde mit einigen Handtüchern bedeckt und vorsichtig die paar Schritte in den Nachbarkreissaal geführt. Zuvor wurde mir schon eröffnet, dass ich wohl entlang der alten Dammschnittnaht gerissen sei und einen Scheidenriss hätte, die genäht werden müssten. Doch trotz allem durften Steffen und ich uns erst einmal auf das große Geburtsbett legen und wurden dann in Ruhe gelassen. Uns wurde ausgiebig Zeit gegeben um Adrian zu beschnuppern, zu befühlen und v.a. ihn zum ersten Mal meine Brust suchen zu lassen. Schon nach einer Viertelstunde trank er seine erste wertvolle Muttermilch. Ich war irgendwo in einem wunderschönen Traum, der immer wieder neue tolle Highlights für mich bereits hielt. Ich wurde nicht wie bei Emilias Geburt sofort erst mal genäht, sondern uns wurde Zeit zu dritt gegeben. Adrian durfte nicht wie Emilia erst 2h nach der Geburt zum ersten Mal an meine Brust, sondern innerhalb der ersten Stunde nachdem er das Licht der Welt erblickt hatte, als er noch wach und aufmerksam von all dem Adrenalin und den Enorphinen war, die Mamas Körper unter den Wehen so produziert und über die Nabelschnur an ihn weitergegeben hatte, damit auch er richtig bei seiner Geburt mithelfen konnte. Genau so hatte ich es mir gewünscht. Und so war es in diesem Krankenhaus sogar der Standard, weil ich mich dieses Mal für ein von der WHO als "babyfreundlich" zertifiziertes Krankenhaus entschieden hatte. Für mich definitiv die richtige Wahl! Ich war einfach nur überglücklich.
Doch ein letztes Mal musste ich dann doch noch zurück in die Realität. Ich weiß leider nicht mehr wann, aber nach einer ganzen Weile der Ruhe und des Kennenlernens kam schließlich eine sehr nette Ärztin in den Kreißsaal. Ich erklärte ihr sofort, dass ich eine Spritzenphobie und auch ziemlichen Bammel vor dem Nähen hätte und kam mir dabei total dämlich vor. Da hat man gerade eine Geburt hinter sich, und dann jammert man wegen ein paar kleiner Piekse herum. Doch die Ärztin war voller Verständnis und meinte, dass das ganz normal sei, dass man nach einer Geburt auch irgendwann mal genug habe. Ich solle mich melden, wenn es irgendwo zwickt. Sie würde dann sofort noch mal betäuben. Und da sie mich dann auch gleich noch in eine Gespräch verwickelte, war alles gar nicht so schlimm, wie es mir erst erschien.
Danach wurden wir noch einmal alleine gelassen, bevor schließlich Magda wieder in den Kreißsaal kam, um die Erstuntersuchung, den sogenannten Apgar-Test an Adrian vorzunehmen und ihn zum ersten Mal zu wiegen und zu messen. Währenddessen war Steffen die ganze Zeit bei ihm. Anziehen und wickeln durfte er ihn selbst. Und ich konnte alles vom Geburtsbett aus liegend beobachten und merkte nun das erste Mal, dass, auch wenn es eine vergleichsweise leichte Geburt gewesen war, mich nun doch die Müdigkeit übermannte.
Anschließend kümmerte sich Magda um mich, half mir beim Anziehen und Aufstehen und ich durfte mich in einen bequemen Rollstuhl setzen.
Mit einer riesen Portion Stolz in der Brust, dem kleinen 3410g schweren und 55cm großen Bündel namens Adrian Michael auf dem Arm und Steffen an meiner Seite wurde ich zum Fahrstuhl und schließlich in unser Familienzimmer geschoben. Ich muss dabei gegrinst haben wie ein Honigkuchenpferd.
"Ein Hoch auf das, was vor uns liegt Dass es das Beste für uns gibt Ein Hoch auf das, was uns vereint Auf diese Zeit (Auf diese Zeit) Ein Hoch auf uns (uns) Auf dieses Leben Auf den Moment Der immer bleibt Ein Hoch auf uns (uns) Auf jetzt und ewig Auf einen Tag Unendlichkeit Ein Hoch auf uns Ein Feuerwerk aus Endorphinen Ein Hoch auf uns Ein Feuerwerk zieht durch die Welt Ein Hoch auf uns So viele Lichter sind geblieben Auf uns"
- Aus dem Song "Auf uns" von Andreas Bourani
(Quelle: http://www.songtexte.com/)
Herzlichen Dank an alle Beteiligten, ganz besonders an meine Vor- und Nachsorgehebamme Elke, die mich immer wieder aufgebaut und daran erinnert hat "mal Omm zu machen", wenn meine Umwelt es dann doch geschafft hat, an meiner Tiefenentspanntheit zu rütteln, meine Schwiegereltern, die unsere Große betreut und uns wunderbar in den ersten Tagen unterstützt haben, meine Eltern, die so sehr mitgefiebert und für uns gebetet haben, unsere Nachbarin Steffi, die immer ein offenes Ohr für mich hat, für den Fall der Fälle auch als Emmi-Sitterin bereit stand und die mich mit "ihrer" HypnoBirthing-Idee angesteckt hat, der Hebamme Anna, die uns so herzlich und fröhlich empfangen und mir damit einen ganz großen Endorphinschub für die Geburt mit auf den Weg gegeben hat, den Hebammen Magda und Astrid, die nicht einfach nur "gemacht" haben, sondern auf unsere Wünsche eingegangen sind und uns alles erklärt haben, der diensthabenden Ärztin, deren Namen ich leider nicht mehr weiß (Schwangerschafts-/Stilldemenz ahoi!), die mir aber ein großes Stück Angst vor dem Nähen nehmen konnte, den Kinderkrankenschwestern und Hebammen, die uns auf der Wöchnerinnenstation mit Rat und Tat zur Seite gestanden haben, und natürlich meinen Mann, meine große Liebe, mein Gefährte, Anwalt und Fels in der Brandung, ohne den dieses unvergessliche Erlebnis nicht Realität geworden wäre.
Von ganzem Herzen Danke!
Zu HypnoBirthing: Das Buch, mit dem ich "gearbeitet" habe, findet ihr hier, wobei ich mich nicht streng an die Übungen gehalten und auch nicht täglich zu einer festen Zeit geübt habe. Ich habe es einfach ganz entspannt und unverbindlich in meinen Alltag, mein Denken und mein Tun einfließen lassen und bin unter der Geburt super damit zurecht gekommen. Die gefürchtete, sonst so schmerzhafte "Übergangsphase" hatte ich übrigens überhaupt nicht.